"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Für dumm verkauft

Ausgabe vom 1.12.2001

Das Faktum an sich schockiert: der Pensionsabschluss von 1,1 Prozent ist eine unglaubliche Zumutung. Daran lässt sich nicht rütteln. Aller verbaler Schönfärberei, aller Behübschung, aller Einmalzahlungsspielchen zum Trotz. Die Tatsache bleibt, dass Österreichs ältere Generation angesichts einer Inflation von 2,9 Prozent um 1,8 Prozent "verlustigt" wurde. "Pensionsraub" nennen es die Betroffenen. Und man ist angehalten, ihnen Recht zu geben.

So weit, so skandalös. Das eigentliche Entsetzen provoziert allerdings jene Pensions-Wahrheit, die erst zaghaft stückerlweise ans Licht sickert. Als da erstens wäre: Die Einmalzahlung wird im Oktober 2002 nachversteuert. Sprich: Der Finanzminister holt sich ein Drittel des gnädig gewährten Zubrotes zurück. Zweitens: Seit Mitte 2000 hat die vife Wende-Regierung unseren Pensionisten 18 Milliarden Schilling abgeluchst. Drittens: Nicht 54 Prozent der Senioren, vielmehr matten 8,8 Prozent werden via Einmalzahlung die Inflationsrate abgedeckt...

Der vierte Punkt freilich lässt selbst ausgeglichenste Gemüter rot sehen: Wie gestern durchsickerte, will die Bundesregierung im Wahljahr 2003 die heute derart verhöhnten, derart geschröpften Senioren mit einem satten Pensionsplus streicheln. Will sie mit einer g´schmackigen Gehaltserhöhung ins schwarz-blaue Boot ziehen. Will sie mit einem Zuckerbrot all das vergessen lassen, was man ihnen heuer (wie auch im Vorjahr) an Ignoranz, an Demütigung angetan hat. Geradeheraus gesagt: Man will "die Alten" für dumm verkaufen...

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