Fasslabend: Situation auf Arbeitsmarkt weder über- noch unterschätzen

Wien, 30. November 2001 (ÖAAB-PD) Die Arbeitsmarktdaten sind wieder in Diskussion geraten. Im Vergleichszeitraum zum Vorjahr ist der Anstieg der Arbeitslosigkeit zwar signifikant, im Vergleich zu allen anderen Jahren bleibt der Wert aber weiterhin unterdurchschnittlich. "Seit 1993 haben wir den drittniedrigsten Stand an Arbeitslosen überhaupt. Das ist nicht zuletzt ein Ergebnis unserer Lehrstellenoffensive einerseits und der Altersteilzeit andererseits. Wir dürfen uns daher nicht selber Angst vor einer Situation machen, die nach wie vor positiv ist", sagte heute, Freitag, ÖAAB-Bundesobmann Dr. Werner Fasslabend beim ÖAAB-Bundesvorstand. Fasslabend warnte aber auch davor, die Entwicklung zu unterschätzen. "Auf Grund der Daten müssen wir uns damit auseinandersetzen, welche Maßnahmen und konkreten Vorstellungen wir für die nächsten Monate treffen müssen. Dazu gehören etwa weitere neue Lehrberufe, eine Umstrukturierung der Berufswahl von Mädchen und Maßnahmen für ältere Arbeitnehmer. ****

Eine der wichtigsten Maßnahmen für ältere Arbeitnehmer sei die Altersteilzeit. Hier habe sich gezeigt, daß das System in letzter Zeit "förmlich explodiert" sei. "Na, Gott sei Dank", meinte Fasslabend, denn das beweise, daß die Altersteilzeit nach wie vor die einzige Form sei, um ältere Arbeitnehmer in schwierigen Situationen auf ihrem Arbeitsplatz zu behalten. "Die Altersteilzeit darf daher nicht Weise in Frage gestellt werden."

Keine Zustimmung des ÖAAB findet auch eine generelle Aufhebung der Zumutbarkeitsbetimmungen bei der Vermittlung von Arbeitslosen. Im Zuge der Diskussion über die "Lockerung" dieser Bestimmung vertritt der ÖAAB den Standpunkt, daß man zwar nicht "sklavisch an den alten Bestimmungen kleben bleiben sollte", völlig ad acta legen könne man die Bestimmungen aber nicht.

"Im Mittelpunkt aller Überlegungen steht für uns die Würde des Menschen", sagt Fasslabend. "Wir können uns zwar vorstellen, daß der Begriff des Berufsschutzes nicht mehr so eng gefaßt wird wie bisher und damit die Vermittlungstätigkeit beeinträchtigt, man kann aber von einem Arbeitssuchenden nicht verlangen, daß er bei der Annahme einer Tätigkeit unzumutbare Gehaltseinbußen oder übermäßig lange Anfahrtswege zur Arbeitsstätte in Kauf nimmt."

Grundsätzlich sollte sich die Vermittlung an der Tätigkeit der letzten Jahre orientieren, aber auch an den Veränderungswünschen des Arbeitssuchenden. "Zu einem Hindernis darf der Berufsschutz bei der Arbeitssuche nämlich auch nicht werden", so Fasslabend.

Bei der Vermittlung von Arbeitslosen müsse auch die "Familienverträglichkeit" der neuen Arbeit in Betracht gezogen werden. Das bedeutet, daß der Weg zu und von der Arbeit nicht mehr als rund 20 Prozent der Arbeitszeit in Anspruch nehmen sollte und Eltern auch in Teilzeitjobs vermittelt werden können, wenn sie das wünschen, weil sie neben ihrem Beruf auch Kinderbetreuungspflichten haben. Derzeit werden vom AMS nur Vollzeitjobs vermittelt.

"Einer der Schwerpunkte der Arbeit des ÖAAB im nächsten halben Jahr wird daher auch die Reform des AMS sein. Im Interesse einer positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt kann man es sich nicht leisten, die dringend notwendige Strukturreform des AMS einfach sang- und klanglos abzusagen", sagte Fasslabend.
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