ÖAMTC: Heftige Kritik an der neuen Gefahrgut-Verordnung

Wenn es um Verkehrssicherheit geht, darf es nicht auf die Tunnellänge ankommen

Wien (ÖAMTC-Presse) - Der ÖAMTC übt heftige Kritik an der neuen Verordnung des Verkehrsministeriums für Gefahrgut-Transporte in Autobahntunnels, die morgen, Samstag, in Kraft tritt. Die neue Verordnung sieht ein hinterherfahrendes Begleitfahrzeug für Beförderungseinheiten nur für Tunnels vor, die länger als 5 km sind. "Ein Rückschritt in Sachen Tunnelsicherheit in Österreich", kritisieren die ÖAMTC-Experten.

Der ÖAMTC wirkt seit Jahren sowohl national als auch auf EU-Ebene federführend an Verbesserungsvorschlägen für die Tunnelsicherheit mit. Bei den Tunnel-Experten ruft die neue Verordnung daher nur Kopfschütteln hervor.

"Gefahrgut-Transporte durch Tunnels bergen immer ein erhöhtes Risiko. Die Rettungsmaßnahmen gestalten sich hier erheblich schwieriger als im freien Gelände und es besteht die Gefahr von Folgeunfällen. Es kann daher nicht auf die Länge des Tunnels ankommen, ob und welche Sicherheitsanforderungen an die Transporteinheit gestellt werden", gibt ÖAMTC-Verkehrsjuristin Ursula Zelenka zu bedenken. Die strengeren Anforderungen gelten erst ab einer Tunnellänge von 5000 Metern und betreffen daher nur acht bis zehn Tunnels in Österreich - die genaue Zahl kann selbst das Verkehrsministerium nicht angeben. Im Gegensatz dazu sind für Tunnels unter 1000 Meter Länge, davon gibt es mit rund 60 die meisten im österreichischen Autobahnnetz, keine Maßnahmen vorgesehen. Einröhrige Tunnels, die ohnehin schon besonders großes Gefahrenpotenzial aufweisen, sind laut neuer Verordnung unter 1000 Meter Länge sogar ohne Warnleuchte befahrbar. Betroffen davon sind immerhin sieben Tunnels in Österreich.

Für Tunnels zwischen 1000 und 5000 Meter Länge sind künftig lediglich Warnleuchten vorgeschrieben. "Das ist zu wenig", schlägt Zelenka Alarm, "alleine wenn man bedenkt, dass darunter 13 Einröhrige sind, die künftig nur durch eine Warnleuchte 'abgesichert' werden."

Unverständnis herrscht auch darüber, dass der 7,8 Kilometer lange, einröhrige Karawankentunnel von der Verordnung ausgenommen ist. Zelenka: "Hier hätte es einer rechtzeitigen Absprache mit Slowenien bedurft, um auch diese Gefahrenquelle zu entschärfen."

Dass mit der neuen Verordnung auch die Mindestabstandsregelung gefallen ist, stellt laut ÖAMTC ebenfalls eine gravierende Verschlechterung dar. Bisher mussten Begleiter mindestens 50 Meter Abstand zur Beförderungseinheit halten, der Transporter selbst mindestens 100 Meter zum vorausfahrenden Fahrzeug, um Auffahrunfälle weitestgehend zu vermeiden.

Abgesehen von den negativen Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit, gibt es ein weiteres Argument: Durch die neue Verordnung gehen auch Arbeitsplätze verloren. Alleine in der Umgebung des Gräbern- und des Herzogbergtunnels werden vier Begleitfahrzeugdienste ihre Pforten schließen, weil ihre Dienste künftig nicht mehr erforderlich sind.

Der ÖAMTC fordert, dass zumindest einröhrige Tunnels unabhängig von ihrer Länge in der Verordnung erfasst sein sollen. Zudem sollen Warnleuchten generell vorgeschrieben sein. "Wenn man sich schon keinen österreichischen Alleingang traut, sollte eine gesamteuropäische Lösung initiiert werden, ehe es zu weiteren schweren Katastrophen kommt", lautet der Appell der ÖAMTC-Verkehrsjuristin ans Verkehrsministerium.

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