Scheele will breite öffentliche Debatte über Gendiagnose

Wien (SK) Die Angst vor einer "genetischen Diskriminierung" sei groß und angesichts der vorherrschenden rechtlichen "Grauzone" nicht unbegründet, sagte Karin Scheele, Stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses "Humangenetik und andere Technologien in der Medizin" des Europäischen Parlamentes, am Donnerstag bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Zukunftssymposium "life sciences". Die SPÖ-EU-Abgeordnete fordert eine grundlegende öffentliche Debatte über die Gefahren und Möglichkeiten der Gendiagnose.. ****

Neben Scheele nahmen Günther Bonn (Uni Innsbruck), Harald Glatz (AK Wien), Harald Haymerle (Zürich Insurance), Sepp Rieder (Wiener Finanzstadtrat), Ina Wagner (TU Wien) und Nikolaus Zacherl (Verein zur Förderung von Humanforschung) an der Diskussion teil. Ängste, die die Gendiagnose aufkommen ließe, müssen gänzlich ausgeräumt werden, um der Technologie ihren Nutzen zu geben, unterstrich Scheele.

Bei Gendiagnose gehe es um die Erkennung von Erbanlagen bzw. Erbkrankheiten, ein Anwendungsgebiet sei etwa die Früherkennung von Brustkrebs. Die Befürchtungen, dass gendiagnostisch gewonnene Daten missbräuchlich verwendet werden, seien bei der geltenden Rechtslage nicht auszuräumen, meinte Scheele, die in diesem Zusammenhang von einem Grauzone sprach.

Für Versprechen der Wissenschaft, das Wohl der Menschheit in den Vordergrund zu stellen, müssten von der Politik die Grundlagen geschaffen werden, so Scheele. Um den Nutzen von Technologien im Dienst der Gesundheit unverfälscht in Anspruch nehmen zu können, brauche es Rahmenbedingungen, die die Angst nehmen. Es habe keinen Sinn, betonte Scheele, Brustkrebs-Untersuchungen anhand von Gendiagnose anzubieten, wenn jede Frau fürchten müsse, dass diese Daten an ihren Arbeitgeber oder an ihre Versicherung weiter gegeben werden. Der Datenschutz müsse gewährleistet sein und es müsse klar sein, was tatsächlich aus solchen Untersuchungen herausgelesen werden kann und was nicht.

Insgesamt sei dieser Bereich der Wissenschaft "ethisch stark umstritten", das dürfe jedoch nicht vor einem öffentlichen Diskurs abschrecken, so Scheele. Sie hält einen EU-weiten Konsens derzeit zwar für fast unmöglich, ein solcher sei aber auch nicht vorrangig. In Teilbereichen könne man zu Einigungen kommen, um Rahmenbedingungen zu schaffen. Wichtig sei die inhaltliche Diskussion. Scheele forderte "eine wertfreie und genaue Auseinandersetzung".

Vor allem müsse darauf geachtet werden, dass diese Diskussionen nicht in den "vielbeschworenen Expertenrunden" bleiben, die Bevölkerung müsse ebenso daran teilhaben, nicht zuletzt, um als kompetentes Kontrollorgan agieren zu können, so Scheele abschließend. (Schluss) ei

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