"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Budget-Vorsorge" (Von Elke Ruß)

Ausgabe vom 30. 11. 2001

Innsbruck (OTS) - Das Beispiel Aids ist nur eines für
alarmierende Entwicklungen im österreichischen Gesundheitswesen. Im Dschungel von Ambulanzgebühren und Selbstbehalten, der hektischen Budgetsanierungsbestrebungen der Regierung entsprungen ist, ist eine groteske Situation entstanden: HIV-Positive müssen für ihre überlebensnotwendige Behandlung z.Öu2009B. Rezeptgebühren bezahlen. Ist Aids erst einmal ausgebrochen, bedeutet das eine meldepflichtige Krankheit und damit die Rezeptgebührenbefreiung. Man sollte meinen, es wäre im Interesse der Gesundheitspolitik, einen Patienten darin zu unterstützen, dass er möglichst lange nicht zum Pflegefall wird, der die öffentliche Hand viel teurer kommt.

Der zunehmende Abschied vom Vorsorgegedanken zeigt sich auch anderswo: Bei gesundheitsfördernden Maßnahmen in den Schulen wie etwa Sportwochen werden Mittel reduziert. Und obwohl die meisten Kosten und Krankenstandstage durch Probleme des Bewegungs- und Stützapparates entstehen, wird es für Betroffene immer schwerer und teurer, Therapien zu erhalten, bevor sie am OP-Tisch liegen. Die Parlamentsmehrheit hat zudem die Einsatzzeiten für Arbeitsmediziner und -sicherheitskräfte in den Betrieben um 60 Prozent reduziert, mit dem Argument, die Wirtschaft von unnötigen Belastungen zu erlösen -als ob häufige Krankenstände auf Dauer billiger wären als menschengerechte Arbeitsplätze.

Offenbar geht es immer weniger darum, das Volk langfristig gesund zu erhalten, sondern darum, die Krankheitskosten möglichst budgetwirksam auf jene Gruppen umzuwälzen, die sich am wenigsten wehren können.

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