"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: "Verbrechen der Wehrmacht II"

Ausgabe vom 30.11.2001

Sie macht wieder von sich reden - die umstrittene Ausstellung "Verbrechen der deutschen Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941 - 1944". Die am 27. November in den Berliner "Kunst-Werken" eröffnete Neuauflage der Schau führt, wie kompetente Betrachter übereinstimmend erklären, aus Unzulänglichkeiten ihrer Vorgängerin heraus. Radikaler Wandel der Konzeption: Um ein Höchstmaß an Genauigkeit zu erreichen, haben die Gestalter das Schwergewicht vom Bildmaterial auf Texte verlegt.

Zur Erinnerung: Ein paar der ursprünglich zu sehen gewesenen 1400 Fotos hatten gar keine von Wehrmachtsangehörigen vollbrachten Verbrechen gezeigt (was in der Tat nicht gerade für wissenschaftliche Präzision spricht). Manch einer von altvorderer Düsternis umwehten Seele war dies Beweis zur Auffassung, es habe eben keine Verbrechen der deutschen Wehrmacht gegeben. Eine Hand voll inkorrekter Foto-Zitate diente der Verdrängung; das Leugnen unseliger Verstrickung zwischen Untaten der Wehrmacht und NS-Bestialität erfuhr willkommene Bekräftigung.

"Wehrmacht I" hat seinerzeit auch hierzulande Station gemacht, trübe, kalte Emotionen und deren aufgeklärtes Gegenteil entfacht. Die Neuauflage unterstreicht jetzt gewissermaßen die Fehler der ersten. "Wehrmacht II" gibt bereitwillig ein Signal dafür ab, dass die (Geschichts)Wissenschaft von manipulativer Beugung nicht ausgenommen ist. Ignoranten des unbestreitbaren Faktums "Wehrmachtsverbrechen" werden vermutlich nur diesen Aspekt zur Kenntnis nehmen.

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