DER STANDARD-Bericht: "Ziemlich ausweglose Situation: Informatiker und Mediziner klagen über viel zu wenig Personal und Ressourcen" - Erscheinungstag 30.11.2001

Wien (ots) - "Wir sind in einer ziemlich ausweglosen Situation."
So beschreibt Gerald Steinhardt, Vorsitzender der Fachkommission Informatik an der Technischen Universität Wien, die Zwangslage der Unis. Österreichweit würden die Informatiker 90 Professoren- und 270 Assistentenplanstellen brauchen. "Es ist aber nicht realistisch, dass wir die bekommen." Der Akutbedarf für die nächsten sechs Jahre seien "mindestens 45 Planstellen für die Informatik".

Steinhardt untermauert im Standard-Gespräch den Wunsch der Rektoren, künftig die Studienplätze in besonders überlaufenen Fächern selbst beschränken zu dürfen, mit Zahlen. Die Uni-Chefs forderten diese "Notwehrmaßnahme" wegen fehlenden Ressourcen. Der freie Hochschulzugang müsse aber erhalten bleiben.

Um den Studentenandrang für Informatik adäquat bewältigen zu können, bräuchte alleine die TU Wien "mehr als doppelt so viel, exakt um 219 Prozent mehr, Lehrkapazität", sagt Steinhardt. Eine aktuelle Erhebung zeigt ein eindrucksvolles Bild. Der Bedarf an Lehrkapazität für alle österreichischen Informatikinstitute beträgt, so Steinhardt, 8680 Unterrichtseinheiten pro Jahr. Tatsächlich gibt es derzeit aber Lehrpersonal für nur 3159 Semesterwochenstunden jährlich. Für den Standort Wien (Informatik an der TU und der Uni Wien) sind die Zahlen noch drastischer: Einem Soll von 5059 Stunden jährlich steht eine effektive Lehrkapazität für Informatikstudenten von nur 1151,5 Stunden gegenüber, erklärt Steinhardt: "Wir brauchen Geld für Ausstattung, vor allem aber personelle Ressourcen." Wenn die künftig autonomen Universitäten aber nicht mehr Mittel für Personal und Ausstattung bekommen, müsste die Ausbildung durch eine Regulierung der Studentenzahlen gesichert werden, so Steinhardt.

Verständnis für den Vorschlag der Rektoren hat auch der Dekan der medizinischen Fakultät der Uni Wien. Dort gibt es für die rund 1000 Erstinskribierten beim Wechsel in den zweiten Studienabschnitt nur 570 Studienplätze aufgrund der begrenzten Zahl an Laborplätzen, aber auch Patienten für den Praxisunterricht. Das zwinge zu einer "Studienplatzbewirtschaftung", so Schütz, "sonst können wir nicht budgetieren".

Budgetprobleme erwartet auch die Uni Graz. Sie erhält statt der vom Ministerium versprochenen 102 Millionen Schilling für die Lehre nur 69 Millionen.

SPÖ, Grüne, ÖGB, AK und ÖH lehnen einhellig jede Studienplatzbeschränkung ab und fordern mehr Mittel für die Unis. Auch FP- Wissenschaftssprecher Martin Graf ist gegen Studienplatzbeschränkungen: Die Unis sollten lernen, mit ihrem Geld auszukommen. Kommentar Seite 32

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