Kardinal Schönborn: Sozialpartnerschaft nicht in Frage stellen, sondern anreichern - BILD (web)

"Gerechten Ordnungsrahmen für globale Wirtschaft suchen" - Festrede zur Eröffnung des Reform-Kammertages

Wien (OTS)- "Ich möchte Sie ermutigen, die Sozialpartnerschaft, ein Element der österreichischen Erfolgsgeschichte, nicht in Frage zu stellen, sondern sie anzureichern. In einer sich rasch verändernden Welt gilt es aber auch, mutige Schritte zu setzen und die notwendigen Veränderungen zu wagen. Wir müssen letztlich zu einem gerechten internationalen Ausgleich und zu einer weltweiten Sozialpartnerschaft finden". Mit diesem Appell eröffnete Kardinal Christoph Schönborn am Donnerstag an der Seite von WKÖ-Präsident Christoph Leitl den Reform-Kammertag im Haus der Wirtschaft. In seiner Festrede zum Thema "Wirtschaft, Ethik und Verantwortung" kam der Wiener Kardinal mehrfach auf die geänderten Anforderungen in einer globalisierten Welt zu sprechen und betonte dabei seine mit Aussagen der katholischen Soziallehre und des Katechismus untermauerte Überzeugung, einen "gerechten Ordnungsrahmen für eine globalisierte Wirtschaft" anzustreben.

Die Kirche als "uralter global Player mit zweitausenjähriger Erfahrung" könne bei der weltweiten Koordinierung aller Aktivitäten in Richtung einer weltweiten Sozialpartnerschaft eine wichtige Rolle übernehmen, sagte der Kardinal. Das Zusammenwirken aller Gutgesinnten müsse dabei auf den drei Säulen Personalprinzip ("der Mensch im Mittelpunkt"), Subsidiaritätsprinzip ("Respekt vor den kleineren Einheiten") und Solidaritätsprinzip beruhen. "In der Kirche mit ihren weltweiten Möglichkeiten werden sie für diese Überlegungen eine stets bereite und immer loyale Partnerin finden".

Immer wieder betonte der Kardinal die Bedeutung moralischer Standards, von Ethik und sozialer Verantwortung für die Weltwirtschaft. Die Umsetzung dieser Prinzipien müsse in der privaten Wirtschaft beginnen. "Auf lange Sicht zahlt es sich immer aus, ethisch zu handeln. Es kann nicht ökonomisch sinnvoll sein, was ethisch fragwürdig ist", hob Schönborn mit Nachdruck hervor.

Die Freizügigkeit der Kapitalströme kann zu Zusammenbrüchen nationaler Volkswirtschaften führen. "Nicht nur kollektives, sondern auch individuelles Fehlverhalten wird - im Zuge der Entwicklung eines Weltstrafrechts - auch im internationalen Handels- und Finanzbereich mehr als bisher in den Blick genommen werden müssen", sagte der Kardinal wörtlich. Man müsse allerdings festhalten, dass die Globalisierung nicht von sich aus zur breitflächigen Verarmung oder Entrechtung der Bevölkerung führt. Sehr oft sei die Not der Menschen auf nationales Missmanagement, wuchernde nationale Bürokratien und Korruption zurückzuführen.

Wichtig seien auch Regeln für den Niederlassungsstatus. Nicht nur Armut, auch die Ungleichheit schaffe untragbare Probleme für Menschenrecht und Menschenwürde.

Beruhe die Standortwahl von Unternehmen ausschließlich auf Kosten/Nutzenüberlegungen, so könne dies zu Sozialdemontage, sozialer Unruhe und langfristig zu einer Verschlechterung der Standortqualität führen. Die Beibehaltung eines höherwertigen Niveaus sei daher letztlich auch für international tätige Unternehmen von Vorteil.

Die erfolgreiche österreichische Sozialpartnerschaft wurde von der Kirche immer mit Sympathie betrachtet, führte der Kardinal weiter aus. Die Katholische Kirche als wichtiger Teil der Zivilgesellschaft (Schönborn: "Sie beseelt vieles in unserem Land, weit mehr, als oft angenommen wird") war dabei stets bemüht, zu einer effektiven Einbindung aller tragenden Kräfte im Lande beizutragen. Als Beispiel nannte Schönborn das Bemühen um die "Allianz für den Sonntag". Das Eintreten für den besonderen Wert des Sonntags sei, so Schönborn, auch aus langer Sicht von Vorteil für die Wirtschaft.

Die Namen so bedeutender Männer wie Julius Raab und Josef Klaus illustrieren am besten, dass es sich auszahlt, verantwortungsvoll zu wirtschaften und sich dabei von ethischen Prinzipien, vor allem von denen der christlichen Soziallehre, leiten zu lassen, führte der Festredner aus. Der Wert ethischer Rezepte für die Wirtschaft gelte aber nicht nur für die Zeit, in der Klaus und Raab gewirkt haben, sondern auch für die zunehmend globalisierte Welt von heute. "Das ist die große Herausforderung, vor der wir heute stehen".

"In der Wirtschaft kommt Dienen vor Verdienen", hob Präsident Leitl in seinen Begrüßungworten hervor. Die Wirtschaft sichere Arbeit und Einkommen der Bevölkerung und trage mit ihren Steuern dazu bei, die Errungenschaften der Gemeinschaft abzusichern. Der Export sei nicht nur wirtschaftlich bedeutsam, sondern trage auch zur Bildung menschlicher Netzwerke bei und schaffe damit wichtige Voraussetzungen für eine friedliche Entwicklung. Das Verdienen sei auch notwendig, "damit wir unsere Aufgaben erfüllen können", ergänzte der Präsident. Die Wirtschaft arbeite aber nicht nur mit dem Rechenstift, sondern eingebunden und verantwortungsbewusst im Interesse der Gemeinschaft.

Abgeschlossen wurde die einleitende Feierstunde mit der Vorführung eines Kurzfilms über den früheren Wirtschaftskammer-Chef und Bundeskanzler Julius Raab, dessen 110. Geburtstag sich am heutigen Tage jährt. (hp)

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