Waneck: 1. Dezember ist Weltaidstag

Österreicher haben höchstes HIV-Problembewußtsein in Europa

Wien, 2001-11-29 (BMSG) - "In keinem anderen Land Europas lassen sich mehr Menschen auf HIV testen als in Österreich. Das Problembewusstsein der Bevölkerung ist in diesem Punkt also außerordentlich hoch", sagte heute FP-Staatssekretär Univ. Prof. Dr. Reinhart Waneck anlässlich des bevorstehenden Weltaidstages am 1. Dezember. "Dennoch lassen sich gerade beim Wissen um die erworbene Immunschwäche AIDS wieder deutliche Mängel feststellen. Dieser Umstand veranlasst das Staatssekretariat für Gesundheit auf der Basis wissenschaftlicher Untersuchungen zum Wissensstand um HIV/AIDS eine Informationskampagne vorzubereiten. *****

Seit mehr als zehn Jahren wird am 1. Dezember weltweit der WELT-AIDS-TAG begangen, einerseits um auf die Gefahren dieser Pandemie hinzuweisen, andererseits aber auch um eine Rückschau zu halten, was im Kampf gegen diese Infektionskrankheit erreicht worden ist, fasste Waneck zusammen.

In Österreich sind bis zum heutigen Tag 2.127 Personen an dem Vollbild der HIV-Infektion-AIDS- erkrankt, 1.282 dieser Menschen sind an ihrer Erkrankung verstorben.

Österreich hat "rechtzeitig" auf das erworbene Immundefektsyndrom reagiert! Mit dem AIDS-Gesetz aus 1985 wurde den möglichen Szenarien Rechnung getragen und darüber hinaus verfügt, dass in regelmäßigen Abständen Informationskampagnen für die breite Öffentlichkeit und für spezielle Betroffenen-Gruppen durchgeführt werden müssen. Weiters wurden die Rahmenbedingungen für eine epidemiologische Erfassung von HIV und AIDS geschaffen, diese Informationen sind ein unabdingbares Werkzeug für die Planung und Umsetzung von Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie und Betreuung von Betroffenen. Auch damals wurde bereits die Einbindung der zivilen Gesellschaft in den Kampf gegen AIDS vorgesehen, so Waneck.

In den Verordnungen zum AIDS- Gesetz, welche zuletzt 1999 dem Stand der Wissenschaft angepasst wurden, kam es zu einer Regelung der Qualität der Testung und der Befundübermittlung. Insbesondere wurden dazu Forderungen der WHO, wie z.B. der "informed consent", also der Zustimmung zur Untersuchung selber, sowie der ausgiebigen und umfassenden Beratung vor und nach dem eigentlichen HIV-Test Rechnung getragen.

In Österreich werden jährlich über 1,2 Millionen Personen, das heißt theoretisch jeder 7. Österreicher, auf HIV getestet, berichtete Waneck. 0,5 Millionen dieser Tests entfallen auf Blutspender. Das entspricht in der Statistik der europäischen Union einer Testfrequenz von 70 Personen/1.000 Einwohner, was wiederum einen weltweiter Spitzenwert darstellt, betonte Waneck.

"Aus diesen Zahlen ist ein entsprechendes Problembewusstsein innerhalb der österreichischen Ärzteschaft und Krankenanstalten abzuleiten, welches vordergründig betrachtet auch fälschlicherweise als Präventionsmaßnahme gedeutet werden könnte. Deshalb möchte ich and dieser Stelle anmerken, dass ein HIV-Test keine Präventionsmaßnahme im eigentlichen Sinn darstellt, sondern nur geeignet ist festzustellen, ob die getestete Person infiziert ist", betonte Waneck.

Derzeit kann davon ausgegangen werden, dass in Österreich 9.000 Menschen mit dem HI-Virus leben. Bei dieser Annahme handelt es sich Hochrechnungen des Gesundheitsressorts, die auf Basis der Prävalenz von HIV-Positiven in der getesteten Bevölkerung beruhen und auf Gesamtösterreich hochgerechnet wurde. Die österreichischen Aidshilfen kommen auf etwas höhere Zahlen, wobei hier einerseits eine kumulative Betrachtungsweise vorliegt, und andererseits auch etwas höhere Infektionsraten angenommen werden.

"Wenn wir davon ausgehen, dass die tatsächliche Zahl zwischen den 9.000 (des BMSG) und den 15.000 (der Aidshilfen) liegt, so stehen wir im europäischen wie internationalen Vergleich sehr gut da, und können behaupten, dass die bisher gesetzten Maßnahmen erfolgreich waren", betonte Waneck. Trotzdem muss man die Entwicklung bei den neu-Infektionen genauestens im Auge behalten, weil im Durchschnitt jährlich circa 400 HIV- Infektionen stattfinden- das sind 1 (bis 2) Neuinfektionen täglich", warnte Waneck.

Durch die Erfolge der HAART- Therapie (Highly- Active- Anti-Retroviral Therapy) kam es zu einem drastischen Rückgang der Zahl von Personen mit dem Vollbild AIDS, sowie der Todesfälle. Daraus ist zu schließen, dass nunmehr mit einem Zuwachs von 400 Personen jährlich zu rechnen sein wird, was natürlich Auswirkungen auf die Bereitstellung von Versorgungs- und Betreuungseinrichtungen hat. Modelle, wie z.B. "HIV- Mobil" in Wien, wodurch eine qualitativ hochwertige extramurale Versorgung von AIDS- Patienten gewährleistet wird, aber auch der Stellenwert anderer niederschwelliger Angebote dürfen von der Gesellschaft nicht außer Acht gelassen werden, so Waneck.

Vor diesem Hintergrund habe er, Waneck sich entschlossen weitere Schwerpunkte zur Prävention zu setzen und auf Basis von wissenschaftlichen Erhebungen gezielte Maßnahmen zur weiteren Senkung der neuinfektionen vorzusehen. "Eine Erhebung zum Wissensstand der Bevölkerung im Raum Wien soll Grundlagen für zu vermittelnde Inhalte und Adressaten einer Kampagne zu HIV/ AIDS liefern. Darüber hinaus sind die Aidshilfen, welche vom Gesundheitsressort jährlich mit etwa ATS 25 Millionen unterstützt werden, aufgefordert, verstärkt Aufklärungs- Aktivitäten im Bereich von Personengruppen mit erhöhtem Risikoverhalten zu setzen", so Waneck.

"Bisher sehen wir in Österreich keine dramatischen Anstiege. Die jüngsten Entwicklungen in den Nachbarländern lässt aber eine Verschärfung der Situation insbesondere bei den Intravenös-Drogenabhängigen befürchten, aber auch in der heterosexuellen Bevölkerung kommt es europaweit zu einem kontinuierlichen Anstieg", sagte Waneck. Angesichts der weltweit dramatischen Situation mit 36,1 Millionen Infizierten und geschätzten 5 Millionen Neuinfektionen jährlich kann sich Österreich glücklich schätzen, dass es, aufgrund seines Engagements seit den frühen 80-iger Jahren, weitgehend von der Pandemie verschont blieb.

"Um unsere Solidarität mit den hauptbetroffenen Regionen, insbesondere dem afrikanischen Kontinent, zu demonstrieren, habe ich aber erreichen können, dass die Republik Österreich sich auch in Zeiten des Sparpaketes mit einem Betrag von USD 1 Million am GLOBAL HEALTH FUND, der von UN- Generalsekretär Kofi Annan ins Leben gerufen wurde, beteiligt", schloss Waneck. (Schluss) bxf mg

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