Nachkriegsrekord bei Insolvenzen

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Erwin Frasl

Wien (OTS) - Einen Nachkriegsrekord bei den Insolvenz-Passiva befürchten namhafte Wirtschaftsprüfer und Bankexperten in diesem Jahr. Das neue Schreckgespenst Basel II wird allerdings nicht als Hauptursache dafür herhalten können. Die Gründe für befürchtete Insolvenz-Passiva von vier Milliarden Euro in diesem Jahr liegen vielmehr in der schlechteren Konjunkturentwicklung, die sich bereits vor dem 11. September abgezeichnet hat.

Das heisst, Basel II kommt, auch wenn Basel II nicht kommt. So lautet die Kurzformel des Wirtschaftsprüfers Hans Hammerschmied für diese Entwicklung, auf die sich Österreichs Unternehmen rascher einstellen müssen als viele glauben.

Im Zuge der neuen Bankvorschriften unter dem Stichwort Basel II müssen Banken ab 2005 ihre Risken realitätsbezogener mit Eigenkapital absichern. Das zwingt sie, Kredite an ihre Kunden weit vorsichtiger zu vergeben, als sie das in der Vergangenheit getan haben.

Allerdings werden die Banken nicht mehr zuwarten, ob Basel II 2005 in Kraft tritt oder möglicherweise durch gewichtige europäische Politiker wie etwa den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder abgeschwächt oder gar verhindert wird.

Das heisst, die Banken werden nicht erst 2004 oder 2005 reagieren. Manche von ihnen haben bereits jetzt damit begonnen, bei der Vergabe von Krediten strengere Bonitätskriterien anzulegen und für grössere Risken höhere Zinsen zu verlangen.

Das werden die österreichischen Klein- und Mittelbetriebe, die 70 bis 80 Prozent der österreichischen Unternehmen darstellen, in den nächsten Monaten drastisch zu spüren bekommen.

Die Banken werden weit mehr an Informationen aus der finanziellen Intimsphäre der Unternehmen verlangen, um die Bonität ihrer Kunden besser als in der Vergangenheit beurteilen zu können. Sie werden strengere Massstäbe anlegen und sie werden in vielen Fällen höhere Kreditzinsen verlangen als bisher. Und - in manchen Fällen wird es überhaupt keine weiteren Kredite mehr geben.

Österreichs Unternehmen müssen sich auf diese neue Situation schon jetzt vorbereiten, egal, ob Basel II kommt oder nicht. Als erste wird dies die österreichische Fremdenverkehrswirtschaft in voller Härte -bis zur Insolvenz - zu spüren bekommen. Sie ist mit rund neun Milliarden - verschuldet. (Schluss) ejf

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