Schwerpunkt zum 100. Geburtstag: Ödön von Horváth in Ö1, im RadioKulturhaus und auf CD

Wien (OTS) - Anlässlich des 100. Geburtstags des großen österreichischen Schriftstellers Ödön von Horváth setzt Österreich 1 einen Horváth-Schwerpunkt im Dezember: Mit drei Sendungen, zwei Veranstaltungen im RadioKulturhaus und einer vierteiligen CD-Edition.****

Ödön von Horváth auf Österreich 1:
"Tonspuren - Hörbilder zur Literatur", 2. Dezember, 18.15 Uhr:
"Zum Denken braucht man einen Stuhl" - Ödön von Horváth, zum 100. Geburtstag. Von Alfred Koch. Geboren wurde Horváth am 9.12. 1901 in Fiume, im ehemaligen Ungarn; gestorben ist er 1938 in Paris. Getötet - wie jedes Schulkind weiß - von einem herabstürzenden Ast auf den Champs-Élysées. Ödön von Horváth ist der große Dramatiker der Zwischenkriegszeit, der gegen "ewige Spießer" und gegen den rechten Ungeist anschrieb und böse "Geschichten aus dem Wiener Wald" erzählte. Zu einem Klassiker des modernen Theaters avancierte Horváth zu Beginn der 70er Jahre. Seine Stücke und Romane erleben seither einen anhaltenden Boom. Manche seiner Sätze wurden selbst zu Klassikern, etwa: "Nichts gibt so sehr das Gefühl der Unendlichkeit als wie die Dummheit”.

"Radiokolleg", 3. bis 6. Dezember, 9.05 Uhr
"Drama der zerbröckelnden Subjekte - Ödön von Horváths Universum der Uneigentlichkeit". Am 1. Juni 1938 wurde Ödön von Horváth in Paris durch einen herabfallenden Ast getötet. Horváth war erst 37 Jahre alt, als er starb. Er zählt zu den wichtigsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Seine Stücke und seine Prosa zeichnet eine "aufgeladene" Atmosphäre aus, es liegt was (Ungeheuerliches) in der Luft, sowie eine epigrammatische Schärfe. Gerhard Moser und Robert Weichinger beweisen, dass Horváth noch immer ein moderner Autor ist, weil seine Begabung, die Labilität von Figuren in all ihrer Brüchigkeit vorzuführen, aktuell geblieben ist.

"Hörspiel-Studio", 11. Dezember, 20.31 Uhr
"Sladek oder Die schwarze Armee": Von Ödön von Horváth. Mit Jens Wawrczeck, Lukas Miko, Andrea Eckert, Martin Schwab, Birgit Minichmayr u. a. Bearbeitung und Regie: Götz Fritsch. Musik: Peter Kaizar (Produktion ORF/DLF 2001). In den frühen 20er Jahren versuchten verschiedene geheimgehaltene soldatische Organisationen die Truppenstärke der deutschen Wehrmacht über die durch den Versailler Vertrag festgelegt Zahl hinaus aufzustocken. Aus der Perspektive der beiden jugendlichen Hauptfiguren Franz und Sladek beleuchtet Horváth die rechtsradikalen Machenschaften der sogenannten "Schwarzen Armee” und die Versuche ihrer Vertuschung. Franz, linker Journalist, untersucht die Vorgänge um die "Schwarze Armee” und trifft bei einer Versammlung von "Hakenkreuzlern” auf Sladek, der ohne Beruf und Arbeit ist und in dessen Kopf die Phrasen und Erklärungsmuster der Rechtsradikalen ein autoritäres Stereotyp ergeben. Horváth zeichnet in der Figur des Sladek ein hellsichtiges Portrait jenes Charakters, der mit seinen Reinlichkeitsidealen, seinen Sehnsüchten nach einem einfachen, umfassenden Weltbild und seiner latenten Infantilität so kennzeichnend für die nationalsozialistischen Bewegungen der Weimarer Zeit war.

Ödön von Horváth im RadioKulturhaus:
Am 13. und 16. Dezember jeweils um 20.00 Uhr steht eine neue Ausgabe von "DichterHören" auf dem Programm des KlangTheaters im RadioKulturhaus. Anlässlich des 100. Geburtstages des großen österreichischen Dramatikers Ödön von Horváth liest Boris Eder aus Gedichten, Kurzprosa und Erzählungen, die den Hintergrund des spießbürgerlichen Pandämoniums bilden, das Horváth mit seinen Bühnenfiguren entworfen hat - sie werden im KlangTheater akustisch beschworen. Die scharfe Beobachtung, der böse Sprachwitz kommen ebenso zur Geltung wie die melancholische Poesie des Menschen und Dichters Ödön von Horváth, der 1938 einen bizarren Unfalltod erlitt und seinen Siegeszug über die Bühnen des deutschen Sprachraumes nicht mehr erlebte. Der junge Josefstadt-Schauspieler Boris Eder, zuletzt als Barnaby Tucker in Thorton Wilders "Heiratsvermittlerin" zu sehen, ist dank seiner Vielseitigkeit auch ein Spezialist für wienerische Charakterrollen und besitzt die Qualitäten, die einen zukünftigen Volksschauspieler auszeichnen.

Ödön von Horváth auf CD:
Anlässlich des 100. Geburtstages hat Ö1 eine vierteilige CD-Edition produziert, mit den Hörspielfassungen von "Geschichten aus dem Wiener Wald" (1981, u. a. mit Fritz Muliar als "Zauberkönig", Gertraud Jesserer als "Marianne", Wolfgang Hübsch als "Alfred") und "Sladek oder Die schwarze Armee" (2001 mit Jens Wawrczeck, Andrea Eckert, Martin Schwab, Birgit Minichmayr). Ergänzt wird die Edition durch eine Lesung aus "Der ewige Spießer" von Helmut Qualtinger. Erhältlich ist die Ö1-CD-Edition Ödön von Horváth im ORF-Shop, schriftlich über das ORF-Hörerservice, Argentinierstraße 30a, 1040 Wien, telefonisch unter der Nummer 01/501 70/373 und unter der Faxnummer 01/501 70/375 oder über Internet http://shop.orf.at zum Preis von öS 498,- (36,19 Euro), für Ö1-Clubmitglieder öS 448,- (32,56 Euro).(hb)

Rückfragen & Kontakt:

Tel.: 01/501 01/18175

ORF Radio Öffentlichkeitsarbeit

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | HOA/HOA