ÖGB: Repressionen gegen Gewerkschafter weltweit im Steigen

IBFG-Bericht: 209 Gewerkschafter im Jahr 2000 ermordet

Wien (ÖGB). 209 Gewerkschafter ermordet, 50 Prozent mehr als im vergangenen Jahr, 8.500 verhaftet, 3.000 verletzt, über 100.000 schikaniert und beinahe 20.000 wegen gewerkschaftlicher Tätigkeit entlassen. Im Jahr 2000 "zahlten" viele GewerkschafterInnen einen hohen Preis für ihr Engagement. Aber diese Zahlen sind nur die Spitze des Eisberges des jährlichen Berichtes des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften (IBFG).++++

Nach dem IBFG-Bericht 2001, der 140 Staaten umfasst, ist die gewerkschaftliche Situation besonders beunruhigend in: Kolumbien, Guatemala, Venezuela, Costa Rica, China, Südkorea, Swasiland, Zimbabwe, Weißrussland und den Golfstaaten.

Das gefährlichste Land der Welt für GewerkschafterInnen ist Kolumbien, wo 153 Gewerkschafter ermordet wurden oder "verschwunden sind". GewerkschafterInnen werden dort nicht nur von paramilitärischen Kräften und Guerillatruppen attackiert, sondern auch von Behörden und Arbeitgebern. Aber auch in anderen Ländern des amerikanischen Kontinents werden Gewerkschaftsrechte verletzt, so dass dieser die gefährlichste Region der Welt für gewerkschaftliche Arbeit darstellt.

71 Prozent der Verhaftungen von GewerkschafterInnen in der Welt geschehen in Asien. In China werden jene, die versuchen, eine unabhängige Gewerkschaft zu gründen, in psychiatrische Anstalten oder Zwangsarbeitslager eingewiesen.

In beinahe 60 Prozent der untersuchten afrikanischen Staaten wurden ArbeitnehmerInnen wegen ihrer gewerkschaftlichen Tätigkeit entlassen, in fast jedem zweiten Staat wurden GewerkschafterInnen verhaftet.

In 108 Staaten wird die Gründung von Gewerkschaften durch gesetzliche Maßnahmen erschwert. In manchen Staaten, wie Bhutan oder Burma, sind Gewerkschaften überhaupt verboten, in anderen, wie Kuba oder Irak, sind nur regierungsabhängige Gewerkschaften zugelassen.

Aber auch in der westlichen Welt werden Gewerkschaftsrechte verletzt. In den USA engagieren Unternehmer professionelle "union busters" (Gewerkschaftsjäger), um in ihren Betrieben gewerkschaftliche Organisationen zu zerschlagen. In Spanien und Großbritannien werden Einschränkungen in Bezug auf die Nutzung des Internets kritisiert.

Unter der fortschreitenden Globalisierung leidet besonders das Streikrecht. In fast 90 Staaten wurden Streiks, an denen Gewerkschaften beteiligt waren, von Unternehmern oder der Polizei unterdrückt. Bei Demonstrationen für höhere Gehälter und niedrigere Wasserpreise wurden in Bolivien 14 Menschen von der Polizei getötet, in Bangladesch tötete die Polizei vier demonstrierende Arbeiter. Aber auch dort, wo keine Gewalt eingesetzt wird, schränken die Behörden das Streikrecht oft ein. 80 Prozent aller untersuchten Länder haben eine restriktive Streikgesetzgebung.

Freie Exportzonen, deren Zahl ständig im Steigen ist, sind oft Zonen ohne Rechte für Gewerkschaften. Wenn dort Gewerkschaften gegründet werden, sind sie Zielscheibe für ständige Attacken, oft mit der Unterstützung oder Teilnahme der Behörden. Der Bericht verweist auf 33 Länder, in denen diese Probleme existieren.(ff)

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