UMWELTDACHVERBAND & Ford Motor Company (Austria): "EIN GLÜCKSSCHWEIN KOMMT SELTEN ALLEIN!"

FORD-Umweltpreis am 15. 11. von BM Molterer verliehen

Wien (OTS) - Eine Initiative, die Aussteiger-Urlaub am
Bio-Bauernhof ermöglicht, ein Naturerlebniszentrum, das zeigt, wie Öko-Pädagogik mit Herz funktioniert, zwei Züchter, die mit einer alten Haustierrasse Furore machen, Schülerinnen, die als Umweltdetektivinnen in Sachen Tourismus unterwegs sind, und Lehrlinge, die mit der Herstellung einer Dosenpresse ein Zeichen für den Umweltschutz setzen wollen, wurden am 15. November in Wien von BM Mag. Wilhelm Molterer, Fritz Schmutzhart (Generaldirektor Ford Austria) und Dr. Gerhard Heilingbrunner (Präsident Umweltdachverband) mit dem Ford-Umweltpreis ausgezeichnet.

Eine fachkundige Jury aus Umweltjournalisten und Experten nahm die eingereichten 67 Projekte zum Schutz von Natur und Umwelt genau unter die Lupe. Die originellsten und engagiertesten wurden jetzt aufs Podest gebeten. Insgesamt 200.000 Schilling (14.534,56 Euro) und die begehrten "Falken"-Trophäen warteten in fünf Kategorien auf sechs Sieger. Die Preise wurden am 15. 11. 2001 im Oktogon Am Himmel (Himmelstraße/Ecke Höhenstraße, 1190 Wien) verliehen.

MIT DER KUH AUF DU: WWOOFen ist in!

Mitanpacken lautet die Devise der "Willing Workers on Organic Farms", kurz WWOOF genannt. Dahinter steckt eine weltweite Organisation, die es Landlufthungrigen, Öko-Bewußten oder einfach nur Reiselustigen möglich macht, gegen Kost und Logis auf Bio-Bauernhöfen die Ärmel aufzukrempeln. Egal, ob Kühe melken, Karottenziehen, Käsen oder Bienenzucht: Das Spektrum der Arbeiten ist so vielfältig und bunt wie die WWOOFer-Gemeinschaft selbst. Vor fünf Jahren hat Hildegard Gottlieb diese Idee nach Österreich gebracht - mit Erfolg! Denn mittlerweile ist die Zahl der heimischen WWOOF-Höfe auf über 100 angewachsen. Folge davon: Das bisher privat geführte Büro in St. Stefan ob Stainz in der Steiermark ist am Limit seiner Kapazitäten -professionellere Organisation steht an. Weiters "haben wir es uns heuer zum Ziel gesetzt, Agrarstudenten aus der ehemaligen UdSSR durch Fahrtbeihilfen das WWOOFen in Österreich zu ermöglichen", so Gottlieb. Diese sollen ihre positiven Erfahrungen puncto biologischer Landwirtschaft dann über die Grenzen weitertragen. Eine Initiative, die "gerade auch im UNO-Jahr der Freiwilligen ein Zeichen für die Umwelt setzt", zeigte sich die Jury überzeugt und reihte das Projekt in der Kategorie "Naturschutz" an die erste Stelle.

WO SONNENBLUMEN SPRECHEN: Energie- & Fantasieweg im Mühlviertel

Wer der Natur auf die Spur kommen will, der ist im "Mühl-fun-Viertel" an der richtigen Adresse. Das Erlebniszentrum, das von den Mühlviertler Kinderfreunden aus der Taufe gehoben wurde, hat sich mittlerweile zum Vorzeigeprojekt gemausert. Altes Gemäuer wurde zu einem ultimativen Niedrigenergiehaus - mit Hackschnitzelheizung, Sonnenkollektoren zur Warmwasserbereitung, Fußbodenheizung und automatischer Lüftung mit Wärmerückgewinnung - umgestaltet. Anschauungsunterricht vom Feinsten bietet der Energie- und Fantasieweg. Durch ein angrenzendes Waldstück führt er auf eine naturbelassene Wiese, am Urlsee vorbei und setzt sich schließlich auch im Haus fort. Ob Biomasse, Solarenergie oder Windkraft: Auf den interaktiven Stationen dieses Fun-Pfades wird das Thema Energie "hautnah" verständlich. Denn wer einmal gehört hat, wie sich Sonnenblume und Löwenzahn über Photovoltaik unterhalten, der vergißt nicht mehr, wie"s funktioniert. Und: Lernen soll ja auch Spaß machen und das Herz berühren, sind die Kinderfreunde überzeugt. "Nur was man liebt, schützt man" ist in logischer Konsequenz auch das Motto der Natur- und Sinnesstationen, die vom Biotop über die Geschichtenerzählhöhle bis zum Waldspielplatz führen. Ein Meisterwerk der Öko-Pädagogik also, das Unterstützung für einen weiteren Ausbau verdient, zeigte sich die Jury begeistert und kürte das Projekt zum Sieger in der Kategorie "Kinder- und Jugendprojekte".

WIR LASSEN DIE SAU RAUS: Züchter setzen auf Turopolje Schweine

Sie sind feinknochig, haben schwarze Haut und helles Borstenhaar, einen schwach geringelten Schwanz, sind robust, stressresistent und genügsam und werden bis zu 250 kg schwer: Die Rede ist von den Turopolje Schweinen, einer gefährdeten Haustierrasse, die sich dank zweier beispielhafter Initiativen in Österreich wieder "sauwohl" fühlen. "Im Vergleich zu anderen Rassen können sie Gras gut verwerten und brauchen nur wenig Getreide", sagt Karl Schardax aus Oberösterreich, der sich seit zwei Jahren der Zucht widmet und auch gleich eine Interessensgemeinschaft gegründet hat. Zu seinen Zielen gehören neben der Erhaltung der Artenvielfalt auch die Erzeugung von gesunden Lebensmitteln - in Zeiten von BSE und MKS ein zukunftsweisendes Unterfangen! Und wirft man etwa einen Blick auf den prächtigen Zuchteber "Vagabund", sieht man auch als Laie, dass der passionierte Züchter eine gute Hand fürs Borstenvieh hat.

Das gleiche gilt auch für die Familie Haider. Auf dem famillieneigenen Perchthof in Unken (Salzburg) hat das Ehepaar ein Schweinegehege geschaffen, das seit ein paar Monaten drei Turopolje Schweinen ein Zuhause ist. "Wenn der Eber fleißig war, wird vielleicht schon bald eine Rotte daraus", so Walter Haider, der hofft, dass sein Projekt Nachahmer findet. Denn immerhin gilt es, "einer alten Haustierrasse das Los zu ersparen, von der Bildfläche der Schöpfung zu verschwinden", wünscht sich Haider. Zwei Züchter, ein Ziel! Das Bemühen um das ökoeffiziente Turopolje-Schwein überzeugte die Jury in beiden Fällen. Deshalb gibt es in der Kategorie "Kulturerbe" heuer gleich zwei Sieger!

"FELDSEE" FIT FÜRS UMWELTZEICHEN? Schülerinnen testen Gästehaus

"Sanfter Tourismus ist in Nationalpark-Gemeinden besonders wichtig", dachten sich drei Schülerinnen der BHAK Mattersburg. Und starteten los, um die Probe aufs Exempel zu machen. Ihr Ziel war das Gästehaus "Feldsee" in der Gemeinde Illmitz. Die große Frage lautete:
Ist das Haus ökologisch "maturareif"? In akribischer "Feldforschung" vor Ort checkten die Schülerinnen die Anlage nach den Umweltzeichen-Richtlinien durch: Werden umweltverträgliche Reinigungsmittel, Recyclingpapier und Dauerfilter verwendet? Wie steht es um Mülltrennung, Wärmedämmung und alternative Energiegewinnung im Haus? Gibt es Nichtraucherzonen und ein Abholservice für Menschen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen? Eine umfangreiche Liste wurde erstellt. Das Ergebnis: Bei den Muss-Kriterien zeigten sich Mängel hinsichtlich Wärmedämmung und Gaskessel, die Soll-Kriterien wurden knapp nicht erfüllt. Das Gästehaus hat zwar schon viel an Qualität in Bewegung gesetzt, in manchen Bereichen aber noch Nachholbedarf. Beispielhaft fand die Jury jedoch den Einsatz und die Einmaligkeit des Projektes, das nicht zuletzt auch zu einer besseren Bekanntmachung des Umweltzeichens in Burgenlands Fremdenverkehrsbetrieben beitragen sollte. Der Lohn dafür: 40.000 Schilling Prämie in der Kategorie "Schulprojekte".

ÖKOLOGIE IM KOPF: Lehrlinge fabrizieren Dosenpresse

In den Lehrwerkstätten der Berufsschule Mattersburg wird seit kurzem kräftig der Hebel zur Ökologisierung angesetzt. Der Weg dazu:
eine Dosenpresse. Das Projekt wurde im Unterrichtsgegenstand Politische Bildung-Umweltbildung besprochen. Im Fachkundeunterricht folgte die Auseinandersetzung mit den einzelnen Arbeitsvorgängen, im Fachzeichenunterricht wurde als nächster Schritt eine detaillierte werkstattfreife Zeichnung angefertigt. Als Schlusspunkt des fächerübergreifenden Projektes wurde im Fachpraktikum die Dosenpresse hergestellt. Weiters geplant: "Wir wollen für jede größere Schule im Burgenland eine solche Dosenpresse produzieren, und die einzelnen Arbeitsschritte digital festhalten und im Internet präsentieren", so Ing. Rudolf Guggenberger, der Organisator des Vorzeige-Projektes. Kein Problem, denn für den Ankauf des Materials liegen ab sofort 40.000 Schilling in der Schulkasse - zur Verfügung gestellt von der Wirtschaftskammer Österreich, die für die heuer erstmals ausgeschriebene Kategorie "Lehrlingsprojekte" als Sponsor auftrat. Vizepräsident KR Adolf Moser ließ es sich nicht nehmen, diesen Preis persönlich zu überreichen.

Weitere Informationen gibt es beim UMWELTDACHVERBAND, der den FORD-Umweltpreis seit 18 Jahren betreut.

Rückfragen & Kontakt:

Alfred Moritz, Organisator
Tel. 01/40 113/32,
alfred.moritz@umweltdachverband.at
Dr. Sylvia Steinbauer,
Öffentlichkeitsarbeit,
Tel. 01/40 113/21,
sylvia.steinbauer@umweltdachverband.at

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