Klinikärzte in Alarmstimmung: Neues Dienstrecht führt zu Qualitätseinbußen bei der Spitzenmedizin (1)

Bundesweiter Aktionstag geplant

Wien (OTS) - Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) fordert die Rücknahme der Verschlechterungen für Mediziner im neuen Hochschullehrerdienstrecht. Der Grund: Die drastische Reduktion der Grundgehälter und weitere Stolpersteine machen die Hochschulkarriere für Mediziner langfristig unattraktiv. Ein bundesweiter Aktionstag zum Thema ist geplant.

An den Universitätskliniken Österreichs gärt es. Grund für den wachsenden Unmut der Klinikärzte sind unter anderem eklatante finanzielle Verschlechterungen, die das neue Hochschullehrerdienstrecht für wissenschaftliche Mitarbeiter (d.h. in Ausbildung zum Facharzt befindliche Jungärzte bzw. Turnusärzte) vorsieht, die ab 1. Oktober dieses Jahres ein neues Dienstverhältnis an einer Universitätsklinik begonnen haben oder demnächst beginnen. Diese Ärztinnen und Ärzte werden künftig nach dem neuen Dienstrecht um etwa 30 Prozent schlechter entlohnt als bereits etablierte Ärzte in vergleichbarer Position, die noch nach dem alten Dienstrecht tätig sind. Dabei ist bei Ausschöpfung der maximalen Ausbildungszeit für die Dauer von sieben Jahren keine Erhöhung des Bezugs vorgesehen.

Hasard-Spiel

Da aufgrund des neuen Dienstrechts auch noch weitere Stolpersteine für die universitäre Laufbahn drohen - Verträge werden künftig nur noch befristet ausgeschrieben, durch die Budgetdeckelung sind Stellenkürzungen im Mittelbau zu befürchten - werde die Arbeit an einer Universitätsklinik für talentierte Nachwuchskräfte langfristig unattraktiv, warnte die Bundeskurienobfrau der angestellten Ärztinnen und Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Gabriele Kogelbauer, am Donnerstag in einer Pressekonferenz.

"Das ganze Prinzip des neuen Dienstrechts wird nicht funktionieren, sondern langfristig zu Qualitätseinbußen in der Spitzenmedizin mit schlimmsten Folgen für die Patientenversorgung und Forschung führen", kritisierte die Vertreterin der 17 000 österreichischen Spitalsärztinnen und -ärzte wörtlich. "Die Vorstellung, dass hoffnungsvolle Nachwuchswissenschaftler maximal sieben Jahre lang für einen Dumpinglohn von durchschnittlich 14 000 Schilling netto im Monat Patienten versorgen und auch noch Spitzenergebnisse in der Forschung abliefern, ist mehr als realitätsfremd. Da es außerdem keine Garantie auf Weiterbeschäftigung nach Absolvierung dieser finanziellen Durststrecke gibt, werden begabte Ärzte künftig lieber in die Privatwirtschaft oder ins Ausland gehen, als sich auf ein Hasard-Spiel an der Universitätsklinik einzulassen."

Als "vorgeschoben" bezeichnete Kogelbauer das vielfach vorgebrachte Argument, Jungärzte könnten mithilfe von Nachtdiensten das reduzierte Grundgehalt aufbessern und damit eine Einkommen ähnlich ihren etablierten Kollegen erreichen. Kogelbauer: "Das bedeutet, dass ein Jungarzt durchschnittlich 48 Stunden pro Woche arbeiten müsste, um auf ein Gehalt zu kommen, dass einem anderen für die 40-Stunden-Woche zugestanden wird. Dies ist nicht nur ungerecht, es gibt auch eine Reihe von Fächern, wie etwa Labormedizin oder Anatomie, in denen gar keine Nachtdienste vorgesehen sind." (Fortsetzung)

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