Strukturanpassungen im postsekundären Bildungssystem dringend erforderlich

Schneeberger :"Österreich fälschlich Schlusslicht bei hoch qualifizierten Beschäftigten"

Wien (PWK819) - In den Medien tauchen immer wieder Schreckensmeldungen über einen Rückstand Österreichs an Hochqualifizierten auf. Österreich sei mit 6,6 Prozent der Erwerbspersonen Schlusslicht bei hoch qualifizierten Beschäftigten, an der Spitze Schweden mit rund 21 Prozent Hochqualifizierten. "Auf Dauer kann man nach derartigen Hiobsbotschaften nicht zur Tagesordnung übergehen", stellt Arthur Schneeberger (Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft) in einem Beitrag der neu erschienenen "Wirtschaftspolitischen Blätter" der WKÖ fest und zeigt die Hintergründe dieser substantiellen Fehlinterpretation der österreichischen Qualifikationsstruktur in der europäischen Statistik auf.

Schneeberger: "Das durch die HTL aufgebaute Humankapital unserer Volkswirtschaft scheint im Vergleich technisch Hochqualifizierter nicht auf. Tatsächlich stellen aber HTL-Absolventen rund 40 Prozent der über 190.000 Erwerbspersonen in technischen Berufen. HTL-Absolventen mit Branchenerfahrung und berufsbegleitender Bildung erfüllen in Österreich Funktionen, die in anderen Ländern von Absolventen kurzer Hochschulstudien wahrgenommen werden."

Ein weiterer Grund für das schlechte Abschneiden Österreichs in internationalen Qualifikationsstrukturvergleichen sei neben der inadäquaten Einstufung der HTL- und anderer BHS-Absolventen laut Schneeberger das Festhalten Österreichs an "universitärer Bildung" im Sinne langer akademischer Studien. Weltweit dominieren aber hochdiversifizierte Universitätssysteme sowie kurze und gestaffelte Studien. Das ergibt viel höhere Quoten an Hochschulabsolventen von 20 bis 30 Prozent eines Altersjahrgangs.

Durch diese definitorischen Vorgaben der internationalen Statistik wird das Humankapital des Landes Österreich unterbewertet. "Da dieses Zählproblem zu einer Imagebeschädigung des Wirtschaftsstandortes führt und österreichische Absolventen auf internationalen Arbeitsmärkten benachteiligt, ist dringend Handlungsbedarf gegeben", warnt Schneeberger. Für die Zukunft geht es nicht nur um adäquatere formale Einstufungen unserer Bildungsgänge, sondern vor allem um Strukturanpassungen des postsekundären Studiensystems. Das Anrechnen bereits erbrachter Leistungen bei BHS, Kollegs und Bachelor-Studien wie etwa beim Europäischen Credit-Transfer-System (ECTS) möglich, würde steigende Studierquoten und vor allem eine flexiblere Arbeitsmarktintegration nach globalen Standards gewährleisten. (pt)

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