Antoni fordert Abkehr von Kosten-Nutzen-Rechnung in Bildungspolitik

Tumpel fordert 500 Millionen Schilling zur Schaffung von Lehrplätzen

Wien (SK) "Das Grundrecht auf Bildung kann nur dann verwirklicht werden, wenn wir von der Kosten-Nutzen-Rechnung Abstand nehmen", hob SPÖ-Bildungssprecher Dieter Antoni im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung der AK am Mittwoch Abend die Verantwortung des Staates in Sachen Bildungspolitik hervor - stellte jedoch "mit Bedauern" fest, dass es im Parlament keinen Konsens darüber gebe, dass alle Bildungsangebote allen Schülern möglichst lang zur Verfügung stehen sollten. AK-Präsident Tumpel stieß in dasselbe Rohr:
"Wir sind es der Jugend schuldig, ihnen Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen." Wie eine neue AK-Studie belege, herrsche in Österreich derzeit ein eklatanter Mangel an Ausbildungsplätzen, vor allem im Lehrlingsbereich vor. "Es fehlt an Mittel, und zwar fünffach", bemerkte Tumpel dazu. Anstatt der derzeitigen 100 Millionen Schilling seien mindestens 500 Millionen Schilling notwendig, um den akuten Lehrstellenbedarf abdecken zu können.****

Besonderen Anlass zur Sorge bereiteten Antoni die Ergebnisse der neuen AK-Studie betreffend die Ausbildungs- und Berufswünsche von Jugendlichen in der 9. und 10. Schulstufe: Bei der Frage nach der Wunschausbildung gaben 14,3 Prozent an, dass sie eine andere als die gewünschte Fachrichtung besuchen. Ein Ergebnis, das mit der Tatsache einhergehe, dass fast 1300 Wiener Schüler laut Studie jährlich keinen Platz in ihrer Wunschschule erhalten. Der Grund dafür sei nicht zuletzt im mengenmäßigen Mangel im Bereich der Lehrlingsausbildung und der Berufsbildenden höheren Schulen zu orten, wiesen Tumpel und Antoni hin.

Mehr und rascher Lehrbilder zu entwickeln, wie die Regierung es fordere, sei nicht die Lösung, warnte Tumpel vor einer Verengung der Lehrlingsausbildung - Stichwort "Schnitzelbrater" statt "Vollkoch". Für Tumpel stellte sich vielmehr die Frage: "Wie erhöhen wir bei gleichbleibender Qualität das Angebot?" Das bedeute insbesondere, die Ausbildungsmöglichkeiten im IT-Bereich zu forcieren. Denn dort sei die Nachfrage nach Lehrstellen zehn mal so groß, wie das konkrete Angebot an Lehrstellen, bemerkte Tumpel.

Einen Schritt weiter komme man nur, wenn man bereit sei, über "Schulorganisation ohne Tabus" zu reden, betonte Antoni abschließend. Konkret sprach der SPÖ-Bildungssprecher dabei ein modularisiertes Schulsystem an, wo Anrechnungen zwischen den einzelnen Schulen gewährleistet sein sollen, Berufsschulen teilweise in BHS hereingenommen werden sollen, kurz, "wo man den Schülern die Möglichkeit gibt, selbständig zu lernen." (Schluss)lm

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