"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Die Sicherheitsfalle" (Von Peter Plaikner)

Ausgabe vom 15. 11. 2001

Innsbruck (OTS) - Die Sicherheit ist Sieger im Konflikt zwischen Umwelt und Wirtschaft. Das suggerieren die zwei neuen Zeilen zur Gletschernutzung im Tiroler Naturschutzgesetz. Wer es derart unbefangen liest, ist allerdings geradezu gefährlich naiv. Hier geht es um viel, jedoch wenig um Sicherheit. Sie wird vorgeschoben, weil das wahre Argument der Wirtschaftlichkeit nicht mehrheitsfähig ist.

Die Ursache dafür liegt in einem Widerstreit der Behauptungen, der weder durch Analyse oder Evaluierung noch durch Strategie oder Konzept untermauert wird. Die Befürworter eines ausgebauten Skigebiets drohen mit dem sonst sterbenden Pitztal. Die Gegner fürchten den Anfang vom Ende des Gletscherschutzes im Land.

Das Publikum der Auseinandersetzung kann nur glauben - dem einen oder dem anderen. Die Politik hilft ihm nicht. Sie präsentiert keinen Plan. Sie verschließt sich vor dringenden Fragen: Hilft dies dem Pitztal oder nur wenigen Machern? Hilft es langfristig oder nur wenige Jahre? Welche weiteren Maßnahmen sind notwendig?

Für seriöse Antworten darauf fehlen die Grundlagen. Auch entscheidende Politiker agieren hier als Überzeugungstäter ohne ausreichendes sachliches Fundament. Dabei wäre regionale Not(wendigkeit) ein durchaus mehrheitsfähiges Argument - wenn sie bewiesen wird.

Doch weil das Anlassgesetz Pitztal das Kind nicht beim Namen nennt, wird es vom Kaunertal bis Hintertux eine Kettenreaktion an Begehrlichkeiten auslösen. Es sei denn, die Politik holt Versäumtes rasch nach. Ohne Entwicklungsplan Pitztal 2020 ist die Änderung des Landesgesetzes eine Fehlleistung. Aber mit Sicherheit.

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