Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik "Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Ein zu schneller Sieg?

Ausgabe vom 14. Nov. 2001 Klagenfurt (OTS) - Ein zu schneller Sieg - Dass die Taliban so schnell Fersengeld geben würden, hat niemand erwartet. Ja, den USA passt es überhaupt nicht ins Konzept, dass die Taliban, also auch deren gemäßigter Flügel, die Hauptstadt Kabul kampflos der Nordallianz überlassen haben. Doch es war die eigene militärische Übermacht, die zum Kollaps des Regimes geführt und der Nordallianz den Weg frei gebombt hatte. Zu schnell. Die Politik des Weißen Hauses war auf den militärischen Sieg des Pentagon nicht vorbereitet. Es galt militärisch dem Winter zuvorzukommen. Doch politisch fangen die Stürme erst an. Nach dem Schmieden der internationalen Allianz gegen den Terror -eine mehr als beachtliche Leistung der amerikanischen Außenpolitik -beginnt die politische Feinarbeit. Eines ist allen klar: Der militärische Sieger Nordallianz kann und darf der alleinige Sieger nicht sein. Es wäre ein den Teufel-mit-Beelzebub-Austreiben. Doch weder die USA noch die UNO, noch die Nachbarstaaten oder die inneren Kräfte Afghanistan selbst sind zur Zeit ausreichend vorbereitet. Dass die USA den Kollaps des Taliban-Regimes gestern nicht kommentierten, war ein nicht gerade beruhigender Kommentar. Die Gewaltordnung der Taliban war für die Weltreligion weniger gefährlich als das gegenwärtige Machtvakuum. Anarchie ist keine Alternative zur Gewaltherrschaft. Für die Amerikaner schließt es sich aber aus, in Kabul ‚einzumarschieren‘. Es wäre - wenn auch in bester Absicht - das fatalste Signal an die islamische Welt. Letztlich muss Afghanistan selbst seine Zukunft finden.

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