Ex-Vizekanzler Hannes Androsch: Lieber Geld für Arbeitsbeschaffung statt für Arbeitslosenunterstützung

Linz (AKO) "Wir dürfen nicht mit den erforderlichen Maßnahmen gegen den Terror das Kind mit dem Bade ausschütten und nicht die in Jahrhunderten mühsam errungenen Freiheiten und Rechte, in deren Namen gekämpft wird, aufs Spiel setzen", erklärte Ex-Vizekanzler Hannes Androsch in seinem Referat "Wirtschaftspolitik in neuem Umfeld" vor der AK-Vollversammlung.

In Zeiten wirtschaftlichen Rückganges sei, so Androsch weiter, eine verantwortungsbewusste Wirtschaftspolitik notwendig: "Es ist klüger, Geld für Arbeitsbeschaffung auszugeben, statt für Arbeitslosenunterstützung." Denn Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen dämpfe die Konsumbereitschaft, was wiederum das Wirtschaftsklima schwäche und so eine abwärtsführende Konjunkturspirale auslöse.

Neben den hoffentlich nur kurzfristigen konjunkturellen Schwierigkeiten dürften wir aber die mittel- und langfristigen Probleme nicht aus dem Auge verlieren. Das betreffe vor allem die Qualität, Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Österreich.

Vehement kritisierte Androsch auch den europaweit einzigartigen Ausverkauf der wichtigsten Produktionsstätten sowie die Tendenzen, die wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften leichtfertig zu zerstören. Es gelte, Defizite bei Bildung sowie bei Forschung und Entwicklung zu beseitigen, den Vorschriftendschungel zu durchforsten, lähmende Bürokratie und übertriebenen Föderalismus abzubauen.

Beim Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft werde es auch Verlierer geben, warnte Androsch. Es gelte, die immer raschere Entwicklung sozial verträglich zu gestalten und die Balance zwischen notwendiger Leistungsfähigkeit und Effizienz auf der einen und der Solidarität unter demokratischen Verhältnissen auf der anderen Seite zu bewahren.

"Ich kenne kein anderes europäisches Land, in dem man ohne Not wichtigste Produktionsstätten und Firmenzentren verscherbelt", prangerte Androsch den Ausverkauf der heimischen Großindustrie an. Das österreichische Gesundheitswesen lobte Androsch als eines der besten der Welt. Warum da "mit einer Ambulanzgebühr herumgepfuscht" werde, sei nicht nachvollziehbar: "Österreich ist eines der wohlhabendsten Länder mit breit ausgebauter Wohlfahrt, besten Lebensbedingungen und größter innerer Sicherheit. Wieso man versucht, Errungenes und Erreichtes zu zerstören, weiß ich nicht."

Abschließend würdigte er die Urabstimmung des ÖGB, die bewiesen habe, dass die Arbeitnehmer den Wert der Sozialpartnerschaft kennen und bereit sind, um ihre Rechte zu kämpfen.

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