Greenpeace-Umfrage: Österreichs Bauern wollen "Reinheitsgebot" für Saatgut

Greenpeace-Kritik am geplanten Informationssicherheits - Gesetz

Wien (OTS) - Österreichs Bauern lehnen die Einführung eines Toleranzwertes für gentechnische Verunreinigungen in Saatgut ab. Das belegt eine aktuelle Umfrage, die Greenpeace heute in Wien vorgestellt hat. Die Mehrheit der befragten Bauern befürwortet demnach strenge Vorschriften, Maßnahmen zur Vermeidung von Verunreinigungen und die Veröffentlichung sämtlicher Messergebnisse.

Greenpeace kritisiert den vorliegenden Verordnungsentwurf von Minister Molterer heftig: "Anstatt Sicherzustellen, dass nur "sauberes" Saatgut auf den Markt kommt, sollen Gen-Verunreinigungen legalisiert werden", so Thomas Fertl, Gentechnik-Experte von Greenpeace. "Greenpeace fordert von, Molterer, dass nur Saatgut verkauft werden darf, in dem keine gentechnischen Verunreinigungen nachweisbar sind. Außerdem soll er Gentechnik-freie Zonen zur Saatgutvermehrung ausweisen und sämtliche Messergebnisse über Verunreinigungen öffentlich zugänglich machen".

Greenpeace hat beim Markt- und Meinungsforschungsinstitut ISMA eine Umfrage unter konventionellen Ackerbauern in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: 69% der Befragten lehnen die Einführung eines Toleranzwertes von 0,5% ab, nur 21% sind für diese Maßnahme. Stolze 87% stimmen der Forderung zu, dass nur Saatgut auf den Markt kommen soll, in dem keine gentechnischen Verunreinigungen nachweisbar sind. Ebenfalls 87% wollen, dass die Ursachen bekämpft werden, z. B. durch Gentechnik-freie Zonen. Als Nutzniesser einer Grenzwertregelung wird vor allem die Saatgutindustrie (60%) gesehen. "Neben der Schweiz ist Österreich das zweite Land weltweit, dass gentechnische Saatgutverunreinigungen gesetzlich regelt", erklärte Thomas Fertl. "Mit seinem Verordnungsentwurf versäumt Minister Molterer die Chance, Österreich seinen Marktvorteil als Gentechnik-freies Land zu erhalten. Der vorgeschlagene Toleranzwert ist so hoch, dass ihn Saatgutkonzerne bereits heute mühelos einhalten können. Kontrollen der Österreichischen Saatgutbehörde haben heuer nur in 4% von 230 Maisproben Verunreinigungen über 0,1% vorhanden nachgewiesen."

Kritik äußerte Greenpeace heute auch am geplanten "Informationssicherheits-Gesetz": Wer in Hinkunft Informationen des Bundes veröffentlicht, muss mit Strafe rechnen, soweit diese Informationen "im Interesse der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit," aber auch "im volkswirtschaftlichen Interesse" liegen. Greenpeace-Sprecher Matthias Schickhofer: "Wir befürchten, dass immer mehr Informationen diesem Gesetz untergeordnet und so der öffentlichen Debatte entzogen werden. Die Aufdeckung der heurigen Verstöße gegen das Gentechnik-Gesetz wäre kaum möglich gewesen. Dieses Gesetz ist ein Anschlag auf die Pressefreiheit und auf die Arbeit unabhängiger und kritischer Organisationen wie Greenpeace.

Im Mai hatte Greenpeace aufgezeigt, dass konventionelles Maissaatgut mit in Österreich nicht zum Anbau zugelassenen Gen-Mais verunreinigt war. Erst nach zwei Monaten hat Minister Haupt reagiert, etwa 3.000 Hektar mussten eingeackert werden. Jetzt hat Minister Molterer eine Verordnung vorgelegt, die den Umgang mit gentechnischen Verunreinigungen in Saatgut regeln soll: Verunreinigungen mit in der EU zum Anbau zugelassenen Gentech-Sorten sollen bis zu einem Toleranzwert von 0,5% erlaubt werden. Für Biosaatgut soll 0,1% gelten.

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Mag. Thomas Fertl,
Gentechnik-Experte Greenpeace,
Tel.: 01-5454580-24
Mobil: 0664-4904986

Axel Krotz,
Pressesprecher,
Tel.:01-5454580-33
Mobil: 0664-240 70 75

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