ANG-Gewerkschaftstag: Strategien gegen Globalisierung

Bei EU-Erweiterung sind Lösungen vor dem Beitritt notwendig

Wien/Brunn am Gebirge (ÖGB/ANG). Bei der Eröffnung des 3. Gewerkschaftstages unter dem Motto "Solidarität - Die Kraft für das 3. Jahrtausend" gestern Abend im Hotel Böck in Brunn am Gebirge gab es auch Grußbotschaften internationaler Gäste sowie des Präsidenten des Österreichischen Landarbeiterkammertages, Ing. Josef Winkler. Sie gingen in ihren Begrüßungsreden auf Strategien gegen die Globalisierung ein und forderten, dass bei der EU-Erweiterung Lösungen für Risken vor dem Beitritt notwendig sind.++++

Der Vertreter der Internationalen Union der Lebensmittel-Landwirtschafts-, Hotel-, Restaurant-, Café- und Genussmittelarbeiter-Gewerkschaften (IUL), Wolfgang Weinz, stellte fest, dass die Globalisierung ein politisch gewollter Prozess sei, der aber veränderbar ist. Da die Folgen des globalen Handelns großen Einfluss auf die Menschen und vor allem die ArbeitnehmerInnen haben, müsse es Aufgabe der Gewerkschaften sein, sich in diesen Prozess einzumischen.

Gewerkschaften müssen für soziale Menschenrechte kämpfen

Weinz hob hervor, dass beispielsweise 1,2 Milliarden Menschen mit weniger als einem Dollar das Auskommen finden müssen und dass 250 Millionen Mädchen und Buben zu Kinderarbeit gezwungen werden. Anhand dieser Beispiele werde deutlich, dass soziale Sicherheit, Wohlstand und Gewerkschaftsrechte von besonderer Bedeutung seien. Der Schlüssel zur sozialen Gerechtigkeit heißt daher globale Gerechtigkeit, die auch der Dritten und Vierten Welt zugute kommen muss "Gewerkschaften dürfen daher nicht aufhören, dafür zu kämpfen. Denn soziale Menschenrechte dürfen nicht nur auf dem Papier stehen, sondern müssen immer wieder eingefordert und umgesetzt werden", schloss Weinz.

EU-Erweiterung: Wir brauchen vor dem Beitritt Lösungen

Harald Wiedenhofer, Generalsekretär der Europäischen Föderation der Gewerkschaften Lebens- und Genussmittel sowie Landwirtschaft (EFFAT), gratulierte in seiner Grußbotschaft, dem ÖGB zum großartigen Ergebnis der Urabstimmung, die auch jenseits der österreichischen Grenzen mit großer Aufmerksamkeit beobachtet wurden und den ÖGB gestärkt hat. Von besonderer Bedeutung gerade für eure Gewerkschaft sei das Thema EU-Erweiterung. Mit den Fragen "Wie viele Betriebe aus dem Osten nach Österreich kommen und wie viele Betriebe von Österreich in den Osten gehen", seien Sorgen und Risken verbunden.

"Diese als nationalen Egoismus zu bezeichnen, wäre aber ein großer Fehler", machte der EFFAT-Generalsekretär deutlich: "Wir brauchen Lösungen und zwar jetzt und nicht nach der Erweiterung." Dazu bedürfe es sowohl der Unterstützung der EU als auch Anreize über Grenzen hinweg und regionale Strukturprojekte. "Wir wollen daher im kommenden Jahr mit allen von der EU-Erweiterung betroffenen Ländern uns an einen Tisch setzen, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten und die Sorgen der Betroffenen eingrenzen", kündigte Wiedenhofer an. Dazu gehöre auch, dass Sozialdumping verhindert werde. Die Erweiterung dürfe aber nicht nur als Gnadenakt gesehen werde, sondern diene auch dazu, sozialpolitische Errungenschaften zu erhalten.

Strukturwandel muss auch Interessen der ArbeitnehmerInnen berücksichtigen

"Wir befinden uns in einer entscheidenden Umbruchphase und müssen daher neue Perspektiven für die Land- und Forstwirtschaft und für weiterhin attraktive Arbeitsplätze finden", betonte der Präsident des Österreichischen Landarbeiterkammertages, Ing. Josef Winkler. Der Wandel erfordert Anpassungen an neue Strukturen, um der Dynamik Rechnung tragen zu können. Der Bereich Umwelt- und Gewässerschutz trete immer mehr in den Vordergrund, sagte Winkler. "Dieser Strukturwandel müsse sich aber auch auf gesetzlicher Ebene für die ArbeitnehmerInnen vollziehen", erinnerte Winkler daran, dass es Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft gäbe, die noch keinen geregelten Kollektivvertrag hätten. Wie schon zuvor Wiedenhofer sprach auch der Präsident des Österreichischen Landarbeiterkammertages von einem durch die EU-Erweiterung entstehenden verstärkten Druck auf die ArbeitnehmerInnen. Winkler abschließend: "Gerade deshalb ist es besonders wichtig und notwendig, dass es eine schlagkräftige, freiwillige Interessenvertretung gibt, die als Partner der Landarbeiterkammer die Interessen der ArbeitnehmerInnen vertritt." (ew)

ÖGB, 13. November 2001
Nr. 956
(Fortsetzung)

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