"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Bildung begehren" (Von Gabi Starck)

Ausgabe vom 13. 11. 2001

Innsbruck (OTS) - Das Bildungsvolksbegehren wird kein großer Erfolg. Selbst wenn die erforderlichen 100.000 Stimmen für eine parlamentarische Behandlung erzielt werden. So viel steht wenige Stunden vor Abschluss schon fest. In Innsbruck dürfte es sich sogar unter die schwächsten Volksbegehren einreihen, sollte nicht am Dienstag noch der große Ansturm erfolgen.

Ein Grund dafür ist, dass es von Betreibern und Unterstützern zu sehr an den Studiengebühren aufgehängt wurde. Doch die locken nur mehr wenige in die Eintragungslokale. Sie sind Tatsache und werden bereits bezahlt. Selbst wenn erste Auswirkungen die Alarmglocken schrillen lassen müssen - etwa der Rückgang der Frauen unter den Erstsemestrigen in Innsbruck - es geht um mehr als nur um Studienbeiträge.

Es geht um eine bestmögliche Bildung durch ein Universitätsstudium. Sie muss begehrt werden - vom Einzelnen. Eine bestmögliche Bildung muss aber auch gewährt werden - vom Staat.

Und da spießt es sich. Die Veränderungswut des Ministeriums gibt allen Grund aufzubegehren. Das neue Dienstrecht bereitet Probleme, qualifizierte Wissenschafter an die Unis zu berufen. Den Kliniken rennen die Mediziner davon. Die Unireform wird den Hochschulen finanzielle Verantwortung aufbürden, ohne ihnen wirklich Autonomie zuzugestehen. An den Missständen wie fehlende Betreuer sowie Seminar-und Praktikumsplätze ändert das alles nichts - im Gegenteil. Ein vom Volk begehrtes Überdenken der Unipolitik wäre daher mehr als angebracht gewesen.

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