3. ANG-Frauenkonferenz: Mehr Frauen in leitende Positionen

Josefine Holzapfel zur neuen Frauenvorsitzenden gewählt

Wien (ANG/ÖGB). Vor Beginn des 3. Gewerkschaftstages der Gewerkschaft Agrar-Nahrung-Genuss (ANG), der von heute Abend bis Mittwoch in Brunn am Gebirge tagt, fand heute Vormittag am Tagungsort die 3. ANG-Frauenkonferenz statt. Dabei wurde Josefine Holzapfel, Betriebsrätin bei der Firma Ankerbrot in Wien, zur neuen Frauenvorsitzenden der ANG gewählt. ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits berichtete den Delegierten und Gästen bei der Frauenkonferenz über die ersten Gespräche zwischen ÖGB und Regierung nach der Urabstimmung und nahm zu wichtigen frauenpolitischen Fragen Stellung.++++

Als Nachfolgerin der bisherigen Frauenvorsitzenden Waltraud Zeyda wurde die Frauenvorsitzende für Wien und Niederösterreich, Josefine Holzapfel, von den Delegierten einstimmig gewählt. Als ihre Stellvertreterinnen wurden Barbara Manes, Frauenvorsitzende für Oberösterreich, und Gerlinde Spörk-Feichter, Frauenvorsitzende für die Steiermark, bestätigt.

Einen Bericht über die Tätigkeit seit der letzten Frauenkonferenz im Jahr 1997 präsentierte die Frauenreferentin der ANG, Klaudia Frieben. Der Frauenanteil am Gesamtmitgliederstand der ANG beträgt 23,2 Prozent (Stand: 31.12.2000), wobei der Frauenanteil nach Fachgruppen beträchtlich schwankt. Bei der Fachgruppe "Süßwaren-Konserven-Tiefkühl- und Zuckerbäcker" erreichen die Frauen mit 85 Prozent der Mitglieder einen Höchststand. Im Bereich "Getränke" sind dagegen nur 10,4 Prozent der Mitglieder weiblich, so Frieben. Trotz des generell niedrigen Frauenanteils hat die ANG in den letzten Jahren für die in ihrem Bereich beschäftigten Frauen wichtige Fortschritte erreicht: So gibt es seit Oktober 1998 eine Kollektivvertragsregelung für die Frauennachtarbeit, die wesentliche Forderungen des Frauenreferats enthält. Werden Frauen gleichermaßen wie Männer in der Nacht beschäftigt, muss eine geschlechtsneutrale Betriebsvereinbarung abgeschlossen werden, die den Betroffenen unter anderem ausreichenden Schutz und ein Rückkehrrecht an einen Tagesarbeitsplatz sichert. Positiv hob Frieben auch das Projekt "Chancen durch Bildung" hervor, das in Wien seit 1999 läuft und das vor allem angelernten Arbeitskräften die Chance zu einem Aufstieg innerhalb des eigenen Unternehmens ermöglichen will.

Die Anträge der ANG-Frauenkonferenz

Die geschlechtsspezifischen Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt stehen im Mittelpunkt des Leitantrags, der von der Frauenkonferenz angenommen wurde. Frauen verdienen nach wie vor um ein Drittel weniger als Männer. Der Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen und der Sparkurs der Regierung belasten die Frauen besonders. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist ein weiteres Problem für berufstätige Frauen. Ziel der ANG-Frauen sei es deshalb, ständig auf die reale Lebenssituation und die berechtigten Ansprüche der Mitglieder hinzuweisen, heißt es in dem Leitantrag.

In weiteren Anträgen, die ebenfalls die Zustimmung der Delegierten fanden, werden unter anderem der Ausbau der Kinderbetreuungsplätze und die Beibehaltung des arbeitsfreien Sonntags gefordert. Die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten wird abgelehnt. Bei der Abfertigung wird die Anrechnung der Karenzzeit auf die Bemessung des Abfertigungsanspruchs gefordert.

Renate Csörgits als Gastrednerin auf der ANG-Frauenkonferenz

"Unser Modell der Abfertigung Neu, auf das wir uns mit den Sozialpartnern geeinigt haben, sieht eine derartige Berücksichtigung der Kindererziehungszeiten vor", konnte ÖGB-Frauenvorsitzende und Vizepräsidentin Renate Csörgits den Delegierten berichten. In ihrem Referat ging sie auf das erste Gespräch des ÖGB mit der Bundesregierung nach der ÖGB-Urabstimmung sowie auf aktuelle frauenpolitische Themen ein.

Csörgits berichtete, dass sich Sozialminister Haupt in dem Gespräch mit dem ÖGB-Präsidium zur Beibehaltung der Pflichtversicherung bekannt habe. Die Worte seien nun an den Taten zu messen, so Csörgits weiter. Denn auch die Einführung genereller Selbstbehalte könnte dazu führen, dass sich viele Menschen - und insbesondere Frauen - eine adäquate Behandlung nicht leisten könnten und damit der Weg in die Zwei-Klassen-Medizin drohe.

Im Bereich der Bildungspolitik fordere der ÖGB die Beseitigung der Studiengebühren. Sie träfen insbesondere AlleinerzieherInnen, für die es nun noch schwieriger sei, ihrem Kind ein Studium zu ermöglichen, und berufstätigen Studierende. "Und auch dort, wo zwei Kinder in einer Familie vorhanden sind, aber das Geld nur zum Studium des einen ausreicht, kann ich mir vorstellen, dass die Tochter zurückstehen muss", so Csörgits.

Zur Sprache gebracht wurde bei dem ersten Gespräch mit der Bundesregierung auch das Thema Jugendarbeitslosigkeit. Insgesamt, inklusive jenen Jugendlichen, die in Berufsorientierungskursen und kurzfristigen Auffangnetzen stünden, suchen 11.400 Jugendliche eine Lehrstelle oder einen Arbeitsplatz. Die Mehrheit davon sind junge Frauen. Demgegenüber gibt es gerade 3.000 offenen Lehrstellen. Der ÖGB fordere deshalb zusätzlich zu den zugesagten 100 Millionen Schilling für die Lehrlingsausbildung weitere Mittel. Csörgits kündigte weitere Gespräche mit der Bundesregierung an.

Hinsichtlich der aktuellen frauenpolitischen Themen nannte die ÖGB-Frauenvorsitzende die Schaffung eines geschlechtsneutralen Nachtarbeitsgesetzes als vordringlich. Das generelle Nachtarbeitsverbot für Frauen läuft mit Jahresende aus. Die Gewerkschaftsfrauen fordern deshalb ein Nachtarbeitsgesetz, das für beide Geschlechter die Bedingungen für Nachtarbeit fixiert und ausreichenden Schutz bietet. Im Bereich der Arbeitsmarktpolitik kritisierte die Frauenvorsitzende das Einfrieren bzw. die drohende Kürzung der Gelder bei den Qualifizierungsmaßnahmen für WiedereinsteigerInnen. Minister Grassers Vorstoß nach einer raschen Angleichung des Pensions-Antrittsalters der Frauen an jenes der Männer erteilte die ÖGB-Frauenvorsitzende erneut eine Absage. "Da wollen manche wohl das Pferd vom Schwanz aufzäumen und bei der Gleichstellung mit dem Pensionsantrittsalter beginnen. Solange die Gleichbehandlung nicht verwirklicht ist, werden wir dieser Veränderung nicht zustimmen."

Forderung nach mehr Frauen in den Führungspositionen

Wie im ÖGB selbst, wünschte sich die ÖGB-Frauenvorsitzende auch in der ANG mehr Frauen in führenden Positionen. Der ÖGB habe in Zusammenhang mit der Organisationsreform im Präsidium und auch im Bundesvorstand die Umsetzung des Gender Mainstreamings beschlossen. "Wenn wir mehr Frauen als Mitglieder für unsere Gewerkschaften gewinnen wollen, dann müssen sie in den Gewerkschaften auch was zu sagen haben. Ist das nicht der Fall, werden nicht mehr Frauen zur Mitgliedschaft und Mitarbeit bereit sein, denn von Sonntagsreden haben Frauen genug", sagte Csörgits. Und erhielt Prominente Schützenhilfe: Der ehemalige Vorsitzende und nunmehrige Ehrenvorsitzende der ANG, Josef Staribacher, forderte ebenfalls die Erhöhung des innergewerkschaftlichen Anteils von Frauen in den Führungspositionen ein. (mfr)

ÖGB, 12. November 2001
Nr. 952

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