"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Anlauf, Schuss und Eigentor

Ausgabe vom 10.11.2001

Ihre Treffsicherheit mag Fußballklubs den Atem nehmen. Die Bundesregierung schießt nie daneben. Mit einer Zielgenauigkeit, die jeden Torwart zur Verzweiflung bringt, trifft sie jeweils das schwächste Glied einer Problemkette. Anlauf. Schuss. Und Eigentor.

Die Regierung trifft zwar - doch nur selten den Kern der Sache. Jüngstes Beispiel: Das sich unaufhaltsam mehrende Heer der Arbeitslosen. Wenn Österreich heuer bei fast 200.000 Arbeitslosen hält, sind das um 14,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Und das ist dramatisch. Ganz ohne Pathos gesprochen. Eine Dramatik, der sich eine verantwortungsbewusste Regierung entgegenzustellen hat. Sie tatenlos hinzunehmen - und auf ein "es wird eh schon wieder" hoffen, ist dürftig.

Vielleicht um dem Vorwurf der Untätigkeit zu entkommen (weshalb sonst?), hat sich die Regierung aufgerafft, eine erste Gegensteuerung vorzunehmen. Eine Maßnahme, die mit dem Prädikat "dürftig" allerdings nicht das Auslangen findet. Vielmehr ist sie als gedankenlos unmenschliches Tun zu definieren: Zumutbarkeitsbestimmungen sollen "gelockert", Arbeitslose in fremde Berufe und damit in die Knie gezwungen werden. Ein Plan, der Arbeitslose bekämpfen mag. Mit Sicherheit nicht die Arbeitslosigkeit.

Womit wir bei Ursache und Wirkung wären. In der Tat scheint sich die Regierung unter dem Credo "Loch auf, Loch zu" durch die Welt zu gfretten: Man setzt auf speed-kills-Maßnahmen. Werkelt an den Wirkungen. Jetzt und gleich. Und sieht das weite Ziel nicht mehr: den Ursachen auf den Grund zu gehen.

Rückfragen & Kontakt:

Chefredaktion
Tel.: 0463/5866-502
E-Mail: ktzredaktion@apanet.at

Kärntner Tageszeitung

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KTI/KTI