WirtschaftsBlatt-Kommentar: Muss ich am Montag noch ins Büro? von Daniela Friedinger

Wien (OTS) - Mit Georg Obermeier mitfühlen können derzeit vermutlich viele. Auch Helmut Draxler, für den Obermeier den RHI-Chefsessel räumen muss, wird es können.

Schliesslich war Draxler vor nicht allzu langer Zeit selbst Opfer. Dass Österreich schon seit gut einem Jahr kein Paradies für Sesselkleber mehr ist, hat allerdings andere, mehr oder weniger handfeste politische Gründe.

Jetzt trifft es aber nicht nur Helmut Draxler, Rudolf Streicher, Johannes Ditz oder Mario Rehulka und Herbert Bammer. Zwar hat es sich in den staatsnahen Unternehmen noch lange nicht ausgefärbelt, doch jetzt müssen auch jene Firmenchefs zittern, in deren Betriebe die Politik nicht hineinregieren kann.

"Das Klima in den Vorstandsetagen wird deutlich rauer", sagt deshalb auch Personalberater Jean-Francois Jenewein. Es ist der Konjunkturrückgang, der jetzt hineinregiert. Vor allem in Konzernen, deren Mütter in den USA sitzen, sind hochdotierte Manager verunsichert und klopfen immer öfter bei Personalberatern an. Und die meisten von ihnen würden es sogar recht billig geben. Mit nur der Hälfte ihrer Gagen versuchen sie, woanders ihren Kopf zu retten.

Recht geschieht den Vorständen und Generaldirektoren, lachen sich da so manche ins Fäustchen. Zumindest 196.272 Österreicher könnten es tun. Sie - um rund 24.000 oder 14,5 Prozent Arbeitslose mehr als noch vor einem Jahr - könnten denken: "Warum soll der Boss verschont bleiben, wenn er meinen Job schon beim geringsten Verfehlen des angepeilten Ergebnisses mir nix dir nix wegradiert?" Beispiele für Krisenopfer unter den "Kleinen" gibt es schliesslich viele: So werden bei tele.ring knapp 100 Mitarbeiter abgebaut, bei der AUA-Gruppe 850 Jobs gestrichen und bei Philips Österreich bis Ende nächsten Jahres sogar 1200 Leute freigesetzt. Da wäre es doch nur logisch, wenn Georg Obermeier nicht der einzige bleibt, dem der raue Wind bis in die Chefetage entgegenschlägt.

Wieviele Firmenbosse Obermeiers Schicksal ereilen wird, hängt aber nicht einzig und allein von der Konjunktur ab. Vielmehr wird es darum gehen, wieweit Manager jene Chancen nützen, die Krisenzeiten zweifellos bieten. Wer in dieser Lage, wo Spreu vom Weizen getrennt wird, seine Management-Qualitäten beweist, der darf am Montag jedenfalls noch ins Büro.

Nach den anderen wird bald nicht mehr verlangt. (Schluss) df

Rückfragen & Kontakt:

WirtschatsBlatt
Redaktionstel. Tel. (01)91919-305

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB/OTS