WTO: Grillitsch verlangt Sicherung einer nachhaltigen Landwirtschaft

Bauernbund gegen schrankenlose Liberalisierung um jeden Preis

Wien, 9. November 2001 (AIZ). - Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch verlangte heute, dass im Rahmen einer neuen WTO-Runde, über deren Beginn ab Freitag in Doha, Katar, verhandelt wird, die grundlegenden Ziele des europäischen Landwirtschaftsmodells verteidigt werden müssten. Es gehe um eine nachhaltige und umweltgerechte Produktion, die Sicherung einer gesunden und qualitativ hochwertigen Nahrungsmittelversorgung in der Bevölkerung, die Abgeltungen von Leistungen der Landwirtschaft bei der Erhaltung der Kulturlandschaft und der Umwelt, um einen sozial gerechten Ausgleich natur- und strukturbedingter Nachteile und die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft, so Grillitsch. ****

"Gerade BSE und die Maul- und Klauenseuche haben gezeigt, dass der in Österreich eingeschlagene Weg der ökosozialen Agrarpolitik mit dem Ziel einer langfristigen Sicherung der Produktionsgrundlagen zum Vorbild für ganz Europa geworden ist. Die bäuerlich geprägte, europäische Landwirtschaft darf nicht einer schrankenlosen Liberalisierung um jeden Preis geopfert werden. Die europäische Landwirtschaft hat mit der Agenda 2000 bereits erhebliche Leistungen zur Liberalisierung der weltweiten Agrarmärkte durch Absenkungen der Preise und der Zölle erbracht. Der Beschluss der EU-Regierungschefs, dass das Ergebnis der Agenda 2000 gleichzeitig die Grundlage der EU für die WTO-Runde ist, darf nicht in Richtung weitergehender Liberalisierungsschritte aufgemacht werden", erklärte Grillitsch.

Konsequenzen für ländlichen Raum bedenken

"Wenn sich die WTO-Ministerkonferenz in Doha auf die Eröffnung einer neuen Runde einigt, dann stehen die grundlegenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft in Europa auf dem Prüfstand. Das bedeutet aber, dass es nicht nur um Fragen der Landwirtschaft und der bäuerlichen Einkommen geht, sondern dass damit weitreichende Konsequenzen für die ländlichen Räume in Europa und die Menschen, die in diesen Gebieten leben, verbunden sind", so der Bauernbund-Präsident.

Gefährdung von Arbeitsplätzen

"In Österreich arbeiten nach einer Studie des WIFO nach wie vor rund 650.000 Menschen im Agrarsektor, das heißt, jeder fünfte Arbeitsplatz in Österreich hängt von der Land- und Forstwirtschaft ab. Wenn die österreichischen Bauern Produktionsanteile an Agrarproduzenten verlieren, die auf Grund niedrigerer Umweltstandards, niedrigerer Tierschutzstandards und niedrigerer Sozialstandards billiger produzieren können und damit wettbewerbsfähiger sind, dann bedeutet das in der Konsequenz auch eine Gefährdung von Arbeitsplätzen im vor- und nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft, etwa in der Landmaschinenindustrie, in der Verarbeitungswirtschaft und im Dienstleistungssektor", erläuterte Grillitsch.

Darüber hinaus hätten die vernichtenden Terroranschläge vom 11. September wieder einmal gezeigt, dass es das Recht jedes Staates sein muss, eine gesicherte Versorgung der Bevölkerung aus eigener Produktion zu gewährleisten. Daher seien der Verhandlungsverlauf und das Verhandlungsergebnis einer WTO-Runde von grundlegender Bedeutung für die europäische Wirtschaft und für die europäische Gesellschaft. "Das Modell der multifunktionalen, nachhaltigen Landwirtschaft muss gesichert werden, damit jahrhundertealte Kulturleistungen der europäischen Bauern nicht endgültig verloren gehen", erklärte Grillitsch.
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