SOFIENSÄLE: Kaum historisch wertvolle Substanz zerstört

Während sich nun weit mehr als 50 Prominente für den Wiederaufbau aussprechen, fand die Bürgerinitiative "Rettet die Sofiensäle" heraus, dass gerade die kunsthistorisch wertvollste Bausubstanz den Brand fast unbeschadet überstanden hat

Wien (OTS) - Bei den eingehenden Recherchen, die die Bürgerinitiative seit einigen Wochen betreibt, stellte sich überraschend eine neue Sicht der Dinge heraus. Bekannterweise haben große Teile des Saales den Brand vom 16. August dieses Jahres mit nur geringen Schäden überstanden. Bisher offenbar unbekannt ist, dass die meisten Teile die zerstört wurden, kaum älter als 50 Jahre waren, und ihr Verlust, rein kunsthistorisch gesehen, damit wohl kaum von Bedeutung sind.

Die Sophiensäle wurden ab 1948 umfassend renoviert, wobei von der originalen Dachkonstruktion aus dem 19. Jh. wenig erhalten blieb. Ebenso war der Bühnentrakt, der aus angeblichen Sicherheitsgründen nach dem Brand abgetragen werden musste, großteils eine Neuschöpfung aus den Nachkriegsjahren. Die aufgehenden Wände des Saales (mit originalen gußeisernen Konsolträgern aus den 1840ern) sind historisch und aus denkmalpflegerischer Sicht am wertvollsten. Ihre dekorative Ausgestaltung erfolgte 1871, im gleichen Jahr, in dem auch der Wiener Musikvereinssaal errichtet wurde. Die Wände blieben fast unbeschadet erhalten, was durch aktuelle Untersuchungsergebnisse bestätigt wird.

Als die Sofiensäle in den 1980er Jahren unter Denkmalschutz gestellt wurden, reichte die historische Substanz für die Unterschutzstellung durch das Bundesdenkmalamt aus. Besonders ausschlaggebend war, dass die Sofiensäle als "Gesamtkunstwerk" einer historischen Veranstaltungsstätte gesehen wurden, die bis in unsere Zeit intensiv genutzt war. Die heute noch vorhandenen Teile der Brandruine, gemeinsam mit der historischen Bedeutung des Ortes, rechtfertigen jedenfalls die weitere Unterschutzstellung der Sofiensäle. Einzig das Deckendekor (1948 verändert, Malereien aus dem Makart-Atelier) mit den Deckenträgern wurde endgültig vernichtet. Alles spricht aus unserer Sicht für die Beibehaltung des Denkmalschutzes. Wir sind zuversichtlich, dass auch der Denkmalbeirat, der in wenigen Tagen einberufen wird, um die weitere Schutzwürdigkeit zu prüfen, zur gleichen Ansicht gelangen wird. Aus den genannten Gründen setzen wir uns weiterhin dafür ein, dass ein Wiederaufbau nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten erfolgt, wie ihn schon Prof. Michael Petzet, Präsident von ICOMOS (UNESCO-Weltkulturerbe) fordert. Unser Appell an die Verantwortlichen: Es muss so schnell wie möglich ein Notdach errichtet werden, damit weitere Schäden am Gebäude, besonders durch Frost, verhindert werden.

Breite Unterstützung der Bürgerinitiative durch Prominente

Da uns bewußt ist, dass ein Beschluss zum weitgehenden Wiederaufbau nicht nur vom Denkmalamt, sondern auch von der Politik mitgetragen werden muß, spricht unsere überparteiliche und unabhängige Bürgerinitiative im Namen von vielen tausend Menschen, die uns bereits mit ihrer Unterschrift unterstützen (derzeit ca. 5000). Besonders erfreut sind wir von der breiten und deutlichen Zustimmung unter Prominenten aus Kultur, Wirtschaft und Politik, und dies über alle Parteigrenzen hinweg:

U.a.: Wolfgang BACHMAYER, Ruth BRAUER, Boris BUKOWSKI, Peter CORNELIUS, Dave DAVIES (The Kinks), Johannes DITZ, Valie EXPORT, Wolfgang FELLNER, Ernst FUCHS, Herbert FUX, Hans GRATZER, Waltraud HAAS, Karl-Heinz HACKL, Herbert HAUPT, Dominic HEINZL, Clemens HELLSBERG (Wr. Philharmoniker), Christiane HÖRBIGER, Michael JEANNEE, Elfriede JELINEK, Udo JÜRGENS, Hilde HAVLICEK, Peter KRAUS, Geri KESZLER, Dagmar KOLLER, Hannes LEOPOLDSEDER, Edith LEYRER, Peter LODINSKY, Ernst Wolfram MARBOE, Dominik MENTHA, Alois MOCK, Günter Mo MOKESCH, Fritz MULIAR, Rudi NEMECZEK (Minisex), Günther NENNING, Hermann NITSCH, Cecile NORDEGG, Elisabeth ORTH, Helene PARTIK-PABLE, Werner PLONER, Maria RAUCH-KALLAT, Konstantin SCHENK, Jeannine SCHILLER, Mat SCHUH, Bernd SEBOR, Wilfried SEIPEL, Julia STEMBERGER, Erwin STRAHL, Franz SUHRADA, Bruno THOST, Gerhard TÖTSCHINGER, Peter TURRINI, Werner URBANEK, Franz Ferdinand WOLF, Josef WEGROSTEK, Georg ZANGER, Adriana ZARTL, Helmut ZILK

THEATER AN DER WIEN: Monika Gugganig, Adrian Manz, Doris Marlies, Karsten Kammeier, Jennifer Lee Mitchell, Caspar Richter, Harald Tauber, Annette Wimmer

Mit weiteren öffentlichen Stellungnahmen unsererseits ist in den nächsten Tagen und Wochen zu rechnen!

Rückfragen & Kontakt:

Bürgerinitiative "Rettet die SOFIENSÄLE"
http://www.rettet-die-sofiensaele.at

Sprecher der Bürgerinitiative:
Ing. Viktor Zdrachal, Mobil: 0699/19478566

Sprecher-Stellvertreter: Markus Landerer,
Tel: 01/7155223 (0699/10244216)

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