"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Bildung. Lebenslang.

Ausgabe vom 08.11.2001

Der Trick mag billig gewesen sein. Teuer, sehr teuer, hat er gegriffen. Die wundersame Geldvermehrung - andersherum Nulldefizit genannt - hat der Regierung weniger an Phantasie abverlangt, als sie schonungslos in die belastende Trickkiste greifen lassen: Österreich bezahlt das "Defizit mit zwei Nullen" mit der größten Belastungsquote, die das Land je gesehen hat. Nun gut: So mancher würde den Brocken schlucken, wenn er einmalig wäre. Weg damit - und ausgestanden. Nur: Die Rechnung ist von der Sorte "Milchmädchen" -sie geht nicht auf. Die Belastungen haben Langzeitwirkung.

Eine davon: die Sparorgie im Bildungswesen. Von den Studiengebühren abgesehen, ordnet die neue Bildungspolitik ihr gesamtes Tun einem Spargelübde unter. Bis hin zur Weiterbildung werden Groschen an allen Ecken und Enden zusammengekratzt. Bildung - von modernen Staaten als Investition in die Zukunft definiert - verkommt zu einem x-beliebigen Bereich, der Bares ins Staatssäckelchen bringt.

Die Sache wird prekär, wenn man weiß: Lebenslanges Lernen hat einen Stellenwert erreicht, um den es sich nicht mehr herumdrücken lässt. Für niemanden. Felxibilität im Beruf ist Gebot der Stunde. Ständige Weiterbildung, unaufhörliches Dazulernen eine zwingende Pflichtkür. Bildung betrifft uns alle. Ein Leben lang. Wird man dafür kräftig "abgezockt", kann es für den einen oder anderen brenzlig werden. Eine Arbeitslosenquote von fast sechs Prozent flüstert uns den ersten Hinweis zu. Was bleibt, ist die Hoffnung namens Bildungsvolksbegehren...

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