"Kleine Zeitung" Kommentar: "Rückzug" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 8.11.2001

Graz (OTS) - Noch hat Österreich dem Abschluss des Energiekapitels in den Beitrittsverhandlungen zwischen Tschechien und der EU nicht zugestimmt, doch ist abzusehen, dass dies in den nächsten Wochen oder Monaten der Fall sein wird.

Der Bundeskanzler schickte den Umweltminister aus, um im Kampf Temelin zum Rückzug zu blasen. Dass der aus Oberösterreich stammende Wilhelm Molterer auch die Schelte seiner Landsleute einstecken muss, die sich vom böhmischen Kraftwerk besonders bedroht fühlen, ist eine zusätzliche Pflichtübung für den engen Vertrauten von Wolfgang Schüssel.

Die jetzige Regierung muss die Suppe auslöffeln, die ihr der vormalige Bundeskanzler Franz Vranitzky mit der Parole vom "atomfreien Mitteleuropa" eingebrockt hat. Von Mitschuld ist sie nicht freizusprechen, weil auch das Kabinett Schüssel kräftig in dieses Horn geblasen hat, um Beifall von marktschreierischen Boulevard zeitungen einzuheimsen.

Wie sich die schwarz-blaue Koalition herauswindet, bleibt abzuwarten. Das Anti-Temelin-Volksbegehren der FPÖ hat bewirkt, dass SPÖ und Grüne nicht mehr mit dem Veto drohen. Es wäre kein Wunder, wenn auch Jörg Haider seine Vetodrohung eines Tages vergisst. ****

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