"Dem Glücklichen schlägt keine Stunde..." im Uhrenmuseum

Wien, (OTS) Der Frage, wie die Vorstellung von der "Wiener Gemütlichkeit" entstand, geht die Ausstellung "Dem Glücklichen schlägt keine Stunde..." im Wiener Uhrenmuseum, 1., Schulhof 2, nach. Die Schau, die vom 8. November 2001 bis 13. Jänner 2002 zu sehen ist, illustriert die Entwicklung des Wiener Zeitverhaltens durch die Jahrhunderte seit dem Mittelalter. Der Historiker Dr. Erhard Chvojka, von dem Idee und Gestaltung der Ausstellung stammen, geht dabei verschiedenen gesellschaftlichen Entwicklungen nach, die den "Wiener Sonderweg" des Zeitverhaltens begründen und die letztlich zum Klischee der Wiener Gemütlichkeit geführt haben. Das Uhrenmuseum ist Dienstag bis Sonntag von 9 bis 16.30 Uhr geöffnet.****

Ausschlaggebend für den Ruf Wiens als "gemütliche" Stadt sei, so der Historiker, teilweise die Dominanz von Kirche und Kaiserhof in Wien gewesen, eine Vorherrschaft, die auch Zeitverhalten und Zeitempfinden durch Jahrhunderte geprägt hat. Dadurch habe sich in Wien auch eine Form des Bürgertums entwickelt, die nicht kaufmännisch orientiert gewesen sei, sondern eher im Zusammenhang mit dem umfangreichen Hofstaat gestanden sei. Die Ausstellung illustriert diese Thesen durch acht Stationen mit Bildern, Objekten, Uhren, die den Besucher über das immer etwas andere Verhältnis des Wieners zur Zeit informieren. So lag Wien unter den bedeutenden Städten Europas weit im Rückstand mit der Einrichtung einer städtischen Uhr im Mittelalter, die Wiener Uhrmacherei hatte bis ins späte 18. Jahrhundert den Ruf geringer Qualität, im Unterschied zu anderen europäischen Metropolen gaben in Wien Kirche und Kaiserhof, und nicht das Bürgertum, die Zeitordnung vor. Die Wiener selbst brachten das Phänomen der Zeit oft im Zusammenhang mit Magie und Zauberei, ebenfalls mehr als anderswo dienten Uhren und Uhrzeit erotischen Zwecken, wovon zahlreiche Bildmotive auf Taschenuhren zeugen. Dementsprechend sahen Reisende aus anderen Ländern in Wien eine Metropole des schlampigen Umgangs mit der Zeit, ja der Zeitverschwendung. Erst in den letzten beiden Jahrhunderten kristallisierte sich aus diesem ursprünglich negativ besetzten Befund das Klischee der Wiener Gemütlichkeit heraus, die heute von Einheimischen und auch Gästen der Stadt durchaus positiv gesehen wird.

o Nähere Informationen zum Uhrenmuseum finden sie unter

www.museum.vienna.at/dynamicPage.asp?MenuID=1737
(Schluss) gab/rr

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