"Kristallnacht - Zeitzeugen berichten" im Volkstheater

Wien, (OTS) Unter dem Titel "Widerstand" steht die bereits zum 9. Mal durchgeführte Veranstaltung "Kristallnacht - Zeitzeugen berichten" am Sonntag, den 11. November im Wiener Volkstheater, die von der Theatergruppe B-project (Leitung: Gerald Buchas) in Kooperation mit dem Verband Wiener Volksbildung durchgeführt wird. Sie haben protestiert, Flugzettel verteilt, für die Familien Inhaftierter gesammelt, Bomben geworfen, die Kriegsindustrie sabotiert, Anschläge geplant und durchgeführt: Fünf ZeitzeugInnen aus Holland, Deutschland und Österreich berichten, dass Widerstand im "Dritten Reich" sehr wohl möglich war, dass sie sich trotz Lebensgefahr gegen die nationalsozialistische Diktatur gewehrt haben. Der Sachbuchautor und Journalist Hans-Henning Scharsach wird auch heuer wieder das Zeitzeugengespräch moderieren.

Bewertung des österreichischen Widerstandes

In der Nachkriegszeit waren die österreichischen Widerstandskämpfer Beispiel dafür, dass Österreich auch aktiv für seine Befreiung gekämpft hat und nicht nur Opfer war. In der Zeit des Antikommunismus hingegen wurden sie bereits als "frühe Agenten" denunziert, sind in Vergessenheit geraten, bis man sie im Rahmen der Waldheim-Debatte "wiederentdeckt" hat. Die Bewertung des österreichischen Widerstandskampfes hing also immer auch von den politischen Zeitumständen ab, meistens wurde er aber instrumentalisiert. Das wird ihm weder gerecht noch haben sich die österreichischen Widerstandskämpfer das verdient.

Es hat sie tatsächlich gegeben, auch wenn es - im Verhältnis zu anderen Ländern - nur wenige waren. Gerade deshalb sollten wir sie schätzen.

Zeitzeugen aus Holland, Deutschland und Österreich

Mirjam Ohringer (Holland) war im Holländischen Widerstand tätig und doppelt gefährdet: als Jüdin und als Widerstandskämpferin. Schon früh half sie in Amsterdam Flüchtlingen aus Deutschland, von denen manche gezwungen waren, sich illegal in Holland aufzuhalten. November 1942 musste sie dann selbst untertauchen. "Es war für uns junge Menschen in Holland einfach selbstverständlich Widerstand zu leisten und den Kampf gegen die Nazi-Besatzer aufzunehmen."

Otto Wiesner (Deutschland) wurde 1934 von der Gestapo verhaftet und wegen Hochverrats zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Anschließend wurde er in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Mauthausen verbracht, wo er 1945 von der US-Armee befreit wurde. In den KZ unterstützte Wiesner die illegale Lagerorganisation, in der sich politische Häftlinge - vor allem Sozialdemokraten und Kommunisten - organisierten. Die Einweisung in das KZ Mauthausen bedeutete vom Sommer 1939 bis zum Herbst 1943 aufgrund eines speziellen Himmler-Befehls für alle Juden, sowjetischen Kriegsgefangenen und für die Mehrzahl der Polen, Tschechen, republikanischen Spanier, Jugoslawen, Belgier, Franzosen, österreichischen und deutschen Kommunisten, Sinti und Roma ein vorsätzliches Todesurteil. In Holland wurde in Strafandrohungen gegen Juden öffentlich mit Transport "in das KZ Mauthausen" gedroht. Für viele holländische Juden wurde der Name Mauthausen zum Synonym für KZ und Vernichtung.

Mirjam Ohringer und Otto Wiesner gehören beide der internationalen Lagergemeinschaft Mauthausen an.

Dr. Franz Danimann (Österreich) wurde 1939 als Widerstandskämpfer verhaftet und zu drei Jahren Einzelhaft verurteilt. 1942 entlassen, wurde er gleich daraufhin in Schutzhaft genommen und wurde u.a. ins KZ Auschwitz verbracht, wo er wiederum im Widerstand tätig war. Am 30. Dezember 1944 musste er der Erhängung der österreichischen Widerstandskämpfer Ernst Burger, Rudolf Friemel und Ludwig Vesely am Apellplatz des Stammlagers beiwohnen. Danimann publizierte u.a. "Flüsterwitze und Spottgedichte unterm Hakenkreuz".

Prof. Hugo Pepper (Österreich) stand schon als Mittelschüler unter dem Verdacht, einer illegalen Organisation von Jugendlichen anzugehören und wurde deshalb wegen Verdachts des Verbrechens des Hochverrates angeklagt. Das Verfahren wurde aber aufgrund eines Gnadenerlasses eingestellt. Pepper leistete ab 1940 Kriegsdienst in der Wehrmacht und schloss sich dort der militärischen Widerstandsbewegung an.

Prof. Alfred Ströer (Österreich) wurde im Februar 1939, nach einer Flugblattaktion gegen die Nazi-Besatzer, verhaftet. Nach der Verurteilung wegen Vorbereitung zum Hochverrat bezüglich Herstellung und Verteilung von Flugblättern gegen das Naziregime wurde ihm die Wehrwürdigkeit aberkannt. Im Dezember 1942 wurde er Soldat des Bewährungsbataillons 999, einer Einheit die sich aus "bedingt Wehrwürdigen", ferner aus "Kriegstätern" und Personen, die wegen politischer und krimineller Straftaten verurteilt worden waren, zusammensetzte. Ströer ist derzeit Vorsitzender des Bunds Sozialistischer Freiheitskämpfer.

Widerstand im Dritten Reich

Der "Widerstand" gegen das NS-Regime war breit gefächert. Er reichte von passiver Resistenz und non-konformem Verhalten bis zu Emigration und dem "generalstabsmäßig" geplanten Attentats- und Umsturzversuch vom 20. Juli 1944. Getragen wurde der Widerstand von Männern und Frauen aus allen sozialen Schichten und politischen Lagern. Oppositionskreise in der Wehrmacht zählten ebenso dazu wie die Mitglieder der "Weißen Rose". Daneben gab es die vielen "unbesungenen Helden", die Verfolgten Unterschlupf gewährten oder sie mit Lebensmitteln versorgten. Emigranten wandten sich direkt - z.B. Thomas Mann über den Londoner Rundfunk - an die Bevölkerung, oder schlossen sich der französischen Résistance an, um mit der Waffe gegen das "Dritte Reich" zu kämpfen. Andere wie Johann Georg Elser versuchten, Adolf Hitler direkt zu töten (8. November 1939).

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