Mailath-Pokorny überreicht Ehrenzeichen an Johann Marte

Wien, (OTS) Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny überreichte Mittwoch im Wiener Rathaus das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien an Dr. Johann Marte, Generaldirektor der Österreichischen Nationalbibliothek i. R.*****

In seiner Laudatio ging Kulturstadtrat Mailath-Pokorny auf das Thema Informationsgesellschaft ein. Er zitierte aus einem Aufsatz Martes, der den Begriff Erinnerungskultur prägte. Bibliotheken seien potentielle Widerstandsnester gegen das Vergessen. Marte plädiere für eine räumlich und physisch erfahrbare Bibliothek, zu der die virtuelle hinzuträte. Diesem Gedanken könne er voll und ganz zustimme, so Mailath-Pokorny.

Johann Marte ist 1935 in Feldkirch, Vorarlberg, geboren. Seine Kindheit war von Kargheit und Armut geprägt. Der Vater von Johann Marte, er war österreichischer Staatsbeamter, wurde als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus in Hitlers Wehrmacht eingezogen und kam in einem sibirischen Lager ums Leben. Seine Mutter musste allein für die Kinder, für ihn und seinen Bruder, sorgen. Diese Bedingungen haben ihn sehr geprägt und kommt in seinem starken Verantwortungsgefühl, seinem unbändigen Fleiß, seiner nahezu calvinistischen Sparsamkeit und nicht zuletzt in seinem starken Bewusstsein, dass Wissen und Bildung einem niemand mehr nehmen kann, zum Ausdruck.

Nach dem humanistischen Gymnasium studierte er an der Juridischen Fakultät der Universität Innsbruck. Sein Studium hat er selbst finanziert.

Von 1963 bis 1969 war Hans Marte Richter in Bregenz. Der Übersiedlung nach Wien folgte zwei Jahre später eine nach Warschau. Auf Warschau folgte Moskau.

1982 endeten die "Wanderjahre" der Familie Marte in Ost-Europa. Nach 12jähriger Abwesenheit trat man die Heimreise nach Österreich, nach Wien, an.

Als Sektionschef im Wissenschaftsministerium war Hans Marte ab 1986 für wissenschaftliche Bibliotheken, Bundesmuseen und Denkmalschutz zuständig. Bevor er jedoch seine neue Arbeit antrat, besuchte er - inkognito gewissermaßen - alle Museen, damit er weiß, "was ihn erwartete", "was auf ihn zukam". Mit Hilfe kompetenter Mitstreiter und mit Hilfe der Museumsmilliarde hat er die längst fällige bauliche Renovierung der Bundesmuseen durchgeführt sowie eine organisatorische Reform eingeleitet.

1993 hat er abermals eine große und spannende Herausforderung angenommen: Er wurde Generaldirektor der Österreichischen Nationalbibliothek.

Eine seiner ersten Maßnahme, war die Öffnung des Hauses. Trotz interner Widerstände hat er die Nationalbibliothek für Veranstaltungen geöffnet - Lesungen, Buchpräsentationen, Konzerte und Symposien sind heute an der Tagesordnung. Die Veranstaltungen lassen die Bibliothekskassen klingeln. Wie auch die Buchpatenschaften, die er sehr gefördert hat. Seit der Gründung der Initiative Buchpatenschaften im Jahr 1990 konnten 24 Millionen Schilling eingenommen werden. Das Geld wird für die Restaurierung und Konservierung alter Bücher verwendet. Unter den Buchpaten finden sich prominente Namen, wie Hillary Clinton, Kardinal König, Filmregisseur Martin Scorsese, die Salzburger Festspiele und die Wiener Philharmoniker, um nur einige zu nennen.

Die Gesellschaft der Freunde der Österreichischen Nationalbibliothek hat er sanft aus dem Dornröschenschlaf geweckt; die Mitgliederzahl hat sich während seiner "Amtszeit" vervielfacht. Die Ausgliederung der Nationalbibliothek, die mit Jänner nächsten Jahres wirksam wird, wie auch die Digitalisierung der Kataloge und des Bildarchivs hat er auf Schienen gestellt. Jetzt läuft es und es läuft gut. "Andere ernten, was er gesät hat", sagt ein ehemaliger langjähriger Arbeitskollege.

Seit kurzem ist Hans Marte Präsident von Pro Oriente. Als solcher setzt er sich sehr für die Annäherung der römisch-katholischen Kirchen und den Kirchen des Ostens ein. In seiner Beschäftigung mit den Weltreligionen sucht er stets das Verbindende, nicht das Trennende. (Schluss) rar

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