"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Am Beispiel der Schiedsrichter

Ausgabe vom 6.11.2001

Kärntens Landeschef bleibt alles Linke - trotz sensationeller Annäherung - verdächtig, doch nach einer wuchtig vorgetragenen Linken (kann auch eine plump einherdreschende Rechte oder unfaire Gerade sein) steht Jörg Haider allemal der Sinn. Ob nun links, Mitte oder rechts: Der Einfache hat volley das gleichermaßen Komplizierte wie ewig Verdächtige übernommen, haut sich krachend aufs Schiedsrichterfach.

In dieser seiner neuen Rolle trug Haider seiner Sportministerin auf, den schwarzen Männern die Waden nach vorne zu richten. "Ordnungmachen" heißt das in anständiger Diktion. Schiris, diese Ungust’ln der Nation, sind zum Abschuss freigegeben, und man darf gespannt darauf sein, welches Ergebnis die Säuberungsaktion mit sich bringt. Vorläufig ist der LH und FCK-Präsident in die Defensive geraten: Die von ihm als "offenbar käufliche Ganoven" apostrophierten Unparteiischen kündigen eine Gerichtsklage an; die Bundesliga bringt eine Anzeige auf Eröffnung eines Verfahrens beim Ethikkomitee ein; und halbwegs zivilisierte Sportsfreunde zeigen dem Blauen die rote Karte.

So viel zur einen Seite der Medaille. Die andere präsentiert Haiders Langzeitstrategie. Der Mann provoziert eiskalt, wenn es darum geht, die so genannte Volksmeinung an sich zu binden. Dass damit Opfer auf der Strecke bleiben, im aktuellen Fall sind es eben Schiedsrichter, nimmt er ungerührt in Kauf. "Wir und die anderen" lautet Haiders Devise. Sie ist in den dunkleren Gegenden der Psyche verankert und vom richtigen G‘spür fürs Falsche, im besten Falle Kasperlhafte, umgeben.

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