Politische Reiselust hat keinen ökonomischen Wert von Gerhard Marschall

WirtschaftsBlatt-Kommentar

Wien (OTS) - Wie aufgescheucht und als ob es vor etwas flüchten möchte, verfällt das politische Personal zurzeit in einen wahren Reisetaumel. Die halbe Bundesregierung ist irgendwo, hinterdrein die Opposition. Selbst die hintersten Winkel der Erde werden von den österreichischen Kurieren heimgesucht. In ihrer Hyperaktivität kommen sich die Akteure mitunter aber in die Quere. Zumal sie in erster Linie die Eifersucht anspornt, verbunden mit dem Hase-und-Igel-Syndrom, als Erster dort zu sein.

Das macht den Polit-Tourismus vollends dubios. Sein volkswirtschaftlicher Wert war schon bisher fragwürdig - entgegen aller Selbstdarstellung. Die läuft nämlich traditionell darauf hinaus, dass die Politik nur ins Ausland aufbrechen müsse, und schon klingle es daheim in den Kassen. Exportaufträge in der Höhe von sage und schreibe 50 Milliarden Schilling soll alleine der jüngste Besuch des Bundespräsidenten in China gebracht haben, hiess es. Angefangen hat alles bei Bruno Kreisky. Der begnadete PR-Agent in eigener Sache verstand es glänzend, den Eindruck zu erwecken, als schleppe er massenweise Geschäfte nach Hause. Beileibe nicht alles ist wahr geworden. Kombiniert mit dem mittlerweile legendären Abtausch von Staatsschulden gegen Arbeitslose, reichte es aber für ein fatales Bild: Es ist die Politik, die für das wirtschaftliche Wohl sorgt. An den Folgen dieser Planwirtschaft österreichischer Prägung zahlen wir noch heute.

Die Geschäfte, die bei Staatsbesuchen und sonstigen offiziellen oder offiziösen Visiten angeblich abgeschlossen werden, sind selbstverständlich von langer Hand vorbereitet. Sie werden - zur höheren Ehre der Politik - nur noch mit grossem Brimborium besiegelt. Tatsächlich kann die Politik bestenfalls Türöffner-Funktion haben. Sie kann vielleicht Schönwetter machen, auf dass es später Umsätze regnen möge. Garantie dafür gibt es jedoch keine. Wäre alles zu Geld geworden, was als tolles Reisemitbringsel gepriesen wurde, müsste die österreichische Handelsbilanz hoch aktiv sein. Ist sie aber nicht.

Politiker müssen daher nachweisen, dass ihre Trips wenigstens von politischem Nutzen sind: Ob ihre Reiselust tatsächlich im Interesse Österreichs ist oder ob es sie aus rein eigennützigen Motiven in die weite Welt hinaus treibt? Auch diesbezüglich sind jedenfalls Zweifel angebracht. (Schluss) mar

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel. (01) 91919-305

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB/OTS