"profil": Schüssel: "NATO-Beitritt nicht ausschließen"

Bundeskanzler Schüssel will "auch die Beitrittsoption" prüfen -hält Kritik an unkoordinierten Auslandsreisen für unberechtigt

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" spricht sich Bundeskanzler Wolfgang Schüssel für die Option eines Beitritts zur NATO aus. Schüssel: "Mit dem Beitritt zur EU wurde ein entscheidender Schritt schon gemacht, der die Neutralität weiterentwickelt und überholt hat. Wir sollten alle Optionen - auch die Beitrittsoption (zur NATO, Anm.) -sorgfältig prüfen und nichts von vornherein ausschließen. Kluge Politik schließt nichts aus."

Nach Ansicht des Bundeskanzlers bekomme die NATO eine "völlig neue Funktion". Schüssel: "Sie wird eine Art kollektives Sicherheitsbündnis werden, in gewisser Weise mit der OSZE vergleichbar. Die Erweiterungsrunde, die in einem Jahr in Prag beschlossen wird, wird mit Sicherheit eine Einladung an einen größeren Kreis bringen."

Österreichs Identität bestehe mehr als bloß aus der Neutralität. "Das muss man auch ausprechen dürfen", meinte Schüssel zur Kritik an seinem Vergleich der Neutralität mit Mozartkugeln und Lipizzanern.

Unverständnis zeigt der Kanzler angesichts der Kontroverse um die Reisediplomatie der Regierungsmitglieder und des Bundespräsidenten. Schüssel im "profil"-Interview: "Es gab doch in Österreich immer wieder den Wunsch nach mehr Engagement in der Nahostpolitik - in den Medien, aber auch im Parlament. Jetzt machen wir's - die Außenministerin, die Trägerin der Außenpolitik und unsere Stimme im Ausland - macht das meiner Meinung nach perfekt. Gefolgt von anderen Ministern, auch von mir und natürlich auch vom Bundespräsidenten. Ich verstehe nicht, warum das in die Nähe einer Staatsoperette gerückt wird."

Zufriedene Bilanz zog Schüssel über seinen Besuch in den USA: "Ich bin der erste Kanzler, der nach dem EU-Beitritt zu einem bilateralen Besuch in den USA war. Als EU-Mitglied sind wir für die Amerikaner interessant. Ich bin ausgiebig zur Situation am Balkan befragt worden und auch zum Iran."

Der Bundeskanzler verteidigt auch die jüngste Reise von Verteidigungsminister Herbert Scheibner und dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider nach Libyen. "Libyen hat gerade jetzt aufhorchen lassen, als es mit klaren Worten den Terror verurteilte. Ich selbst habe Gaddafi auch schon getroffen. Man soll das Gespräch nicht abreißen lassen."

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"profil"-Redaktion

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