EU bestätigt: "Natura 2000-Schutzdefizite in Österreich enorm!"

Wien (OTS) - UMWELTDACHVERBAND: Jetzt muss für den Naturschutz auf Hochdruck gearbeitet werden! Großer Handlungsbedarf für die Länder Oberösterreich, Steiermark, Salzburg, Tirol und Kärnten. Vertragsverletzungsverfahren droht! Kein Handlungsbedarf für Niederösterreich und Wien.

Seit wenigen Stunden liegt der brandaktuelle Bericht des abschließenden Seminars der EU-Kommission für die alpinen Natura 2000-Schutzgebiete (Draft "Comments on representativity within pSCI of habitat types and species"), das Mitte Oktober in Brüssel stattfand, auf dem Tisch. Das ernüchternde Ergebnis: Österreich muss binnen weniger Monate viele Gebiete nachnominieren - passiert das nicht, drohen rechtliche Konsequenzen.

Betrübliche Tatsache ist es, dass einige Bundesländer in Sachen alpine Schutzregionen höchst säumig sind. "Es nützt eben nichts, nur die Bergspitzen als Natura 2000-Gebiete zu nominieren - auch die extensiven Kulturlandschaften und die Naturlandschaften in den Alpentälern müssen geschützt werden", bringt Dr. Gerhard Heilingbrunner, Präsident des Umweltdachverbandes, die Lage auf den Punkt.

Hot-Spots - Naturschutzdefizite der österreichischen Bundesländer

Eindeutiger Nachzügler in Sachen Natura 2000 ist Oberösterreich, dicht gefolgt von Salzburg, der Steiermark, Kärnten und Tirol. In diesen Bundesländern ist Feuer am Dach - hier gilt es jetzt endlich mit Hochdruck für den Naturschutz zu arbeiten.

Die wichtigsten Forderungen der EU-Kommission zum europaweiten Schutz der bedrohten Tier- und Pflanzenwelt in der alpinen Region betreffen u. a. folgende Gebiete:

- Oberösterreich: Ennstaler Kalkvoralpen (Goldhaferwiesen); Moore im Salzkammergut (Pfeifengraswiesen)

  • Steiermark: Trockenstandorte des oberen und mittleren Murtales (Kalk-Trockenrasen); Trockenstandorte um Pöls (Steiermärkisches Federgras)
  • Tirol: Fernpaß (Spirkenwälder); Inntal (Kleines Mausohr)
  • Salzburg: Moore des Seengebietes (Pfeifengraswiesen, Feuchtwiesen-Schmetterlinge)
  • Kärnten: Extensive Wiesenlandschaften der Täler (Kalk-Trockenrasen und Glatthaferwiesen); oberes Gailtal und dessen

Nebentäler (Dohlenkrebs)
- Vorarlberg: Extensive Wiesenlandschaften des Walgaus oder des Bregenzer Waldes (Glatthaferwiesen)

Kein Vergleich dazu die Lage in Niederösterreich: Aufgrund der großen nominierten Gebietskulisse und der guten Grundlagendaten ist Niederösterreichs Handlungsbedarf gering. Die nunmehr gemeldeten Natura 2000-Schutzgebiete in der alpinen Region Niederösterreichs wurden von der EU zur Gänze akzeptiert. Auch Wien hat seine diesbezüglichen Pflichten erfüllt. Das Burgenland hat keine alpinen Regionen aufzuweisen.

Jetzt muss gehandelt werden!

Eines steht fest: Es bleibt den Nachzüglern nicht viel Zeit, die eingeforderten Gebiete nachzunominieren. "Jetzt ist eine nationale Koordination und Evaluation unter Berücksichtigung des vorhandenen Expertenwissens das Gebot der Stunde", so Heilingbrunner. Denn die Vorgaben der EU-Kommission müssen erfüllt werden - passiert dies nicht innerhalb der nächsten Monate, ist der Zug abgefahren. "Wird die Frist versäumt, droht mit Sicherheit ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Republik Österreich und eine Verurteilung durch den Europäischen Gerichtshof", warnt Heilingbrunner. Damit aber nicht genug: Wird jetzt nicht mit Hochdruck gearbeitet, droht Österreich - was den Schutz der sensiblen alpinen Regionen mit ihrer wertvollen Tier- und Pflanzenwelt betrifft - neben Frankreich zum Schlusslicht Europas zu werden!

Rückfragen & Kontakt:

Umweltdachverband
Mag. Franz Maier, Geschäftsführer
Tel. 0664/335 95 32.
Dr. Gerhard Heilingbrunner
Tel.: 0664/38 18 462.
Dr. Sylvia Steinbauer
Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 01/40 113/21
sylvia.steinbauer@umweltdachverband.at

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