Goldenes Ehrenzeichen für Musiker und Komponisten

Wien, (OTS) Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny überreichte heute, Mittwoch, im Wiener Rathaus das Goldene Ehrenzeichen des Landes Wien an Iván Eröd, Paul Walter Fürst, Alfred Planyavsky und Erich Urbanner. Die vier Musiker und Komponisten sind wichtige Repräsentanten der österreichischen Musik der Gegenwart; sie geben ihr Wissen und ihre Erfahrungen als Hochschulprofessoren an ihre Studentinnen und Studenten weiter.****

Viele waren gekommen, um dem Festakt beizuwohnen: Mitglieder der Stadtregierung, Familienangehörige, Freunde, Bekannte und Kollegen. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny verwies in seiner Laudatio auf die vielfältige musikalische Tradition, in deren Fortsetzung die vier Ehrengäste stehen. "Es ist die Tradition der Wiener Klassik, die Tradition eines Johannes Brahms’, es sind große Namen wie Arnold Schönberg, Alban Berg oder Anton Webern".

Die Nationalsozialisten fürchteten den Geist der Kunst; sie hätten keine Musik hervorgebracht. Die Überlebenden stünden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs inmitten der politischen, moralischen und künstlerischen Trümmer. Als meistgespielte lebende Komponisten Österreichs hätten die vier Ehrengäste wesentlich dazu beigetragen, das künstlerische und musikalische Vakuum des Nachkriegsösterreich mit kreativer, selbstbewusster, individueller und engagierter Musik zu füllen.

Iván Eröd: Engagierte Musik

Iván Eröd wurde 1936 in Budapest geboren. Er hat zwei totalitäre Regimes miterlebt, das nationalsozialistische und kommunistische, bevor er 1956 als 20jähriger nach Wien kam, wo er an der Akademie für Musik und darstellende Kunst Klavier und Komposition studierte. Er schloss beide Fächer mit Auszeichnung ab. Seine Komponistenlaufbahn begann Ivan Eröd mit serieller Kompositionstechnik, bevor er sich der Tradition zuwandte: Er steht in der Tradition der Wiener Klassik, Zweiter Wiener Schule, ungarischer Volkslieder und Johannes Brahms’. Sein Gesamtwerk umfasst an die 120 Kompositionen, darunter zwei Opern, Orchesterwerke, Kammermusik, Vokalwerke. Seine Oper "Die Seidenraupen" wurde 1968 bei den Wiener Festwochen uraufgeführt. Die Oper "Orpheus ex machina" wurde 1978 beim steirischen herbst uraufgeführt. Iván Eröd hat fünf Kinder und eine große Enkelschar, die das musikalische Erbe des Vaters und Großvaters angetreten haben.

Paul Walter Fürst: Komponist aus Leidenschaft

Paul Walter Fürst wurde 1926 in Wien geboren. Er besuchte das musische Gymnasium in Frankfurt am Main. In Wien studierte er an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst. Seine Musikerkarriere startete er als Solobratschist beim Niederösterreichischen Tonkünstlerorchester und bei den Münchner Philharmonikern, bevor er zu den Wiener Philharmonikern wechselte. Den Wiener Philharmonikern hielt er als Bratschist 30 Jahre lang die Treue. Seine wahre Leidenschaft aber ist das Komponieren. Er kann auf ein Gesamtwerk von 150 Kompositionen zurückblicken. Das Komponieren ist eng mit seiner Tätigkeit als Orchestermusiker verknüpft. Derzeit arbeitet er der Oper "Catalina Homer", die im April nächsten Jahres im Stadttheater Baden uraufgeführt wird.

Im fortgeschrittenen Alter hat Paul Walter Fürst begonnen, sich für die Möglichkeiten, die der Computer bietet, zu interessieren. Heute schreibt er Stimmen und Partituren mit Hilfe des Computers auf. Paul Walter Fürst engagiert sich in verschiedenen Gremien und Organisationen für die Belange von Musikerinnen und Musikern. Er ist Präsident der AKM, Präsident der ÖSTIG (Schwestergesellschaft der AKM für Interpreten); er war Präsident der Gewerkschaft Kunst, Medien und freie Berufe sowie Geschäftsführer der Wiener Philharmoniker. So oft es seine Zeit zulässt, zieht sich Paul Walter Fürst in seinen Garten in Niederösterreich zurück. Er ist glücklich verheiratet, hat zwei Kinder und Enkelkinder. Die Kinder sind ausnahmsweise nicht (Berufs-)Musiker.

Alfred Planyavsky: Gründer des Kontrabass-Archivs

Alfred Planyavsky wurde 1924 in Wien geboren. Er besuchte das Konvikt der Wiener Sängerknaben. Im zweiten Weltkrieg geriet er in Kriegsgefangenschaft. Als Kriegsgefangener kam er nach Alabama, USA, wo er einen Kriegsgefangenenchor leitete und als Tenorsolist mitwirkte. Nach seiner Rückkehr in die Heimat studierte er Kontrabass und Sologesang an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst. Mit 50 erfüllte er sich einen langgehegten Wunsch: Er gründete 1974 das Kontrabass-Archiv in der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek. Mit der "Geschichte des Kontrabass" schrieb er 1984 das Standardwerk. Alfred Planyavsky ist auch Schriftsteller, Journalist, Verfasser von zahlreichen Aufsätzen, Feuilletons und Beiträgen in Fachzeitschriften. Für den Rundfunk gestaltete er Features und Gedenksendungen. Alfred Planyavsky hat zwei Kinder und Enkelkinder. Sein Sohn Peter Planyavsky ist Domorganist in St. Stephan und Professor für Orgel und Improvisation.

Erich Urbanner: Genauigkeit und Klarheit

Erich Urbanner wurde 1936 in Innsbruck geboren. Er wuchs in einem musikalischen Elternhaus auf, sein Vater war Lehrer und Musiker. Schon früh fiel sein musikalisches Talent auf. Nach dem Gymnasium studierte er in Wien an der Musikakademie Klavier, Komposition und Dirigieren. Er hat wie Eröd seriell begonnen, bevor er sich dem freien Spiel und der Improvisation zuwandte. Er hat an die 120 Musikstücke geschrieben: zwei Opern, ein Requiem, ein Monodram, Konzerte, Orchesterwerke, Kammermusik, eine Messe, Lieder. In seiner Musik bricht der erklärte Raumschiff-Enterprise-Fan in ferne Welten und ferne Galaxien auf. Sich auf Neues, Experimentelles einzulassen, ist ein wesentliches Charakteristikum Urbanners. Er zeichnet sich auch durch seine Leidenschaft für Genauigkeit und Klarheit aus; er probt so lange, bis jeder Ton klar und rein klingt. Er ist glücklich verheiratet, hat Kinder und Enkelkinder.

In seiner Dankesrede sagte Paul Walter Fürst, dass er stolz sei, ein Bürger dieser Stadt zu sein. Es berühre ihn zutiefst, gerade in diesem Kreis ausgezeichnet zu werden, einem Kreis von ernsthaften Musiker- und Komponistenkollegen.
Mit dem 1. Satz von Joseph Haydns Streichquartett D-Dur "Der Frosch" Opus 50/6, gespielt vom EOS-Quartett, klang die Feierstunde musikalisch aus. (Schluss) rap

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