Prammer/Stadlbauer: "Ein Jahr Haupt ist genug!"

Studie über männliche Scheidungsopfer ein Skandal

Wien (SK) "Ein Jahr Haupt ist genug", so SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer und SPÖ-Bundesfrauensekretärin Bettina Stadlbauer am Mittwoch in einer Pressekonferenz, wo sie die "Frauenpolitischen Verschlechterungen von A bis Z" kritisierten. Die Männerpolitik unter Minister Haupt habe sich zur Aufgabe gemacht, "die Vorherrschaft der Männer einzuzementieren", kritisierte Prammer. ****

Einen "Skandal" nannte Stadlbauer die neu ausgeschriebene Studie des Leiters der Männerabteilung im BMSG, Johannes Berchtold, zum Thema "Risikogruppe männliche Scheidungsopfer". Prammer und Stadlbauer kritisieren, dass im Text der Ausschreibung die Antworten schon vorweggenommen werden - nämlich weniger Unterhaltszahlungen. Die Studie begründet sich auf 200 Zuschriften, wo sich Männer über zu hohe Unterhaltszahlungen beklagen. "Es steht nur der 'arme Mann' im Mittelpunkt", kritisiert Prammer, "kein Wort, was dazu geführt hat, warum die Frauen Unterhalt brauchen, wie die Lebenssituation der Frauen aussieht". Tatsache sei, dass eine Scheidung oft zur Armutsfalle für Frauen werde, so Stadlbauer. Wer sich für die Durchführung dieser "unseriösen Studie" bewerbe, müsse hinterfragt werden, so Prammer.

"Die Regierung will den Frauen einerseits einreden, dass sie keine Eigenständigkeit brauchen, wenn andererseits die Partnerschaft nicht hält, werden dann die Unterhaltszahlungen kritisiert", so Prammer. Dabei könne die logische Antwort auf die Kritik, Männer würden zu viel Unterhalt zahlen, nur sein, dass Frauen dazu bewogen werden, nie ihre Eigenständigkeit aufzugeben. Die SPÖ-Frauenvorsitzende plädierte in diesem Zusammenhang für das SPÖ-Modell, das analog zum schwedischen Modell automatisch Unterhalt vom Staat vorsieht. Der Staat holt sich dann das Geld einkommensbezogen von den Männern wieder zurück. Prammer berichtete von einer europäischen Konferenz der Vorsitzenden der Gleichbehandlungsausschüsse in Schweden, wo man sich auch einig gewesen sei, dass sich Einkommensunterschiede nur reduzieren lassen, wenn Frauen einen kontinuierlichen Erwerb haben, Bewertungen neu vorgenommen werden und die Rahmenbedingungen passen. Bei dieser Konferenz sei auch eine Deklaration zum Thema Einkommensunterschiede verabschiedet worden und man habe begrüßt, dass das Jahr 2002 das Imagejahr für Einkommensgerechtigkeit werden soll. "Der schwedische Weg ist der einzig richtige", verwies Prammer auf die hohe Frauenerwerbsquote in Schweden. Wo Teilzeit die einzige Antwort auf Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei, gehe die Einkommensschere weiter auseinander. Notwendig seien Arbeitszeitverkürzung für Frauen und Männer, bestmögliche Qualifikation und die häufigere Anwendung von halbe-halbe. Dem Vernehmen nach seien beim Rückgang der Studierenden überproportional Frauen enthalten - genau das habe die SPÖ befürchtet, so Prammer, die sich die endgültigen Zahlen genau ansehen will.

Dass in der Männerabteilung hilfesuchende Männer an einen Anwalt weitervermittelt werden, wie "Format" berichtete, ist für Prammer "mehr als rechtlich problematisch". Stadlbauer sprach von einem "Skandal" und von "Freunderlwirtschaft", wenn ein Abteilungsleiter einem Anwalt Geschäfte zuschanze. Prammer kündigte in dieser Angelegenheit eine schriftliche Anfrage an Haupt an.

Die SPÖ-Frauen kritisierten auch die Ideologie der Männerabteilung scharf. Der Leiter der Männerabteilung sehe sich als "Kämpfer zur Befreiung der Folgen der übermäßigen Emanzipation", so Prammer. Frauen, die für ihre Rechte eintreten, würden als "Unfrauen" dargestellt. Die Männerabteilung signalisiere den Männern andauernd, dass sie arm seien, von den Frauen ausgebeutet würden und das Terrain, das sie im Zuge der Frauenemanzipation verloren hätten, wieder zurückerobern müssten. Bezeichnend sei, dass der Leiter der Männerabteilung einen Wimpel am Schreibtisch stehen habe mit der Aufschrift: "Hier werden Männervisionen Wirklichkeit". Prammer bekräftigte, dass Männerpolitik notwendig sei: die Aktion Halbe-Halbe der früheren Frauenministerin Konrad sei ein wichtiger Ansatz gewesen, weil sie sich an die Adresse der Männer gerichtet habe.

Die SPÖ stehe für einen partnerschaftlichen Umgang der Geschlechter miteinander und für eine gerechte Verteilung der Aufgaben und Chancen in den Bereichen Einkommen, Möglichkeiten im Erwerbsleben, in der Politik, in der Familie. "Wir werden den Frauen den Rücken stärken", versicherte Prammer. Und Stadlbauer betonte, dass die SPÖ den Frauen in diesem Land eine Allianz anbiete.

Die "Frauenpolitischen Verschlechterungen von A bis Z" sind auf der SPÖ-Homepage unter www.spoe.at abrufbar. Unter N wie negieren wird beispielsweise auf Haupts Weigerung verwiesen, einzugestehen, dass 100.000 Kinderbetreuungsplätze fehlen, obwohl sogar auf der offiziellen Homepage seines Ministeriums ein Bedarf von 139.500 Plätzen im Jahr 1995 eingeräumt wird. Seither sind 32.188 Betreuungsplätze geschaffen worden, womit der aktuelle Bedarf bei über 100.000 liegt. Stadlbauer erinnerte an Haupts jüngste Aussagen dazu, wonach er nicht wisse, wie die WIFO-Leute diese Daten erheben, er wisse nur, dass der Bedarf ein anderer sei. (Schluss) se

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