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Klagenfurt (OTS) - Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Kommentar: Schlechtes Kabarett

Utl.: Ausgabe vom 31. Okt. 2001=

Ein mascherltragender Zynismus? Eine absurde
Verunglimpfung österreichischen Wertedenkens? Ein Wortspiel unter der Gürtellinie? Oder - wie SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer mutmaßt - "im besten Fall schlechtestes Kabarett"? Österreich rätselt. Österreich grübelt. Österreich schreibt Leserbriefe. Österreich ist am wunden Punkt getroffen: die Neutralität hat uns mit Mozartkugeln und Lipizzanern eingeholt...
Die Neutralität ist im Bewusstsein Österreichs tief verwurzelt. Hat sich in ihrer 46-jährigen Geschichte zum Grundwert festgeschrieben. Ist mehr als ihre feierliche Beschwörung an "ihrem" Nationalfeiertag. Ergo muss es für jeden (und erst recht für den "Staatsmann") erstes Gebot sein: Man geht nicht flockig mit ihr um. Neutralität ist nicht da, um sie - auch nicht gemeinsam mit Österreichs süßester Kugel -ins Eck zu stellen. Tut man dies doch, müsste man zumindest bereit sein zur Debatte. Müsste erklären, wieso, weshalb, und was sonst. Doch der eben noch verbal "lustige" Kanzler hat sich wieder einmal dem Schweigen verschrieben.
Wolfgang Schüssels Neutralitätssager wäre nicht "Betriebsunfall", würde der Kanzler sich der Frage stellen: "Wie lässt sich Neutralität dem Jetzt, Heute und Morgen anpassen?" So tief verankert Neutralität in unserem Wertedenken sein mag - sie darf nicht statisch fixiert, darf nicht unbeweglich, darf nicht unbeugsam sein. Neutralität auf zukunftsorientierte Beine zu stellen, ist erlaubtes Ansinnen. Sie aber mit einem Hopp zu entledigen, wäre ein unverantwortliches, ein unentschuldbares Trauerspiel.

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