OFFENER BRIEF - Betrifft: Demontage der Bundesanstalt für Lebensmitteluntersuchung und -forschung-Wien - Vor Auflösung einer über 100-jährigen Institution ?

An Herrn Bundesminister Mag. Herbert Haupt

Wien (OTS) - Mit großer Sorge betrachten die Bediensteten der Bundesanstalt für Lebensmitteluntersuchung und -forschung Wien die Entwicklung bei der Gründung der Agentur für Ernährungssicherheit, durch die eine Institution wie die Bundesanstalt, die vor über 100 Jahren gegründet wurde, wegen angeblicher Synergieeffekte hinsichtlich der analytischen Einrichtungen anderer Anstalten aufgeteilt werden soll.

Synergien im analytischen Bereich sind zwar aus wirtschaftlichen Gründen begrüßenswert, die Kontrolle von Lebensmitteln besteht jedoch nicht allein aus der Analyse - man muß erstens wissen, was man analysiert, und zweitens, wie man die Ergebnisse bewertet. Dazu reicht nicht die Erfahrung und das Wissen einzelner Fachleute allein aus - für die Ausarbeitung eines zielführenden und dennoch ökonomisch vertretbaren Untersuchungsumfangs ist die Zusammenarbeit mehrerer Spezialisten erforderlich. Den Stand der Wissenschaft und Technik bei einem so weitläufigen Gebiet wie den Lebensmitteln kann eine Einzelperson nicht überblicken. Jeder Bedienstete der Bundesanstalt ist daher auf einem anderen Fachgebiet spezialisiert. Das Wissen und die Erfahrung aller Bediensteten zusammen bilden das Know-how der Bundesanstalt. Bei einer Aufteilung der Bundesanstalt würde dieses kollektive Know-how verloren gehen.

Die Bediensteten der Bundesanstalt bitten Sie daher, Ihren Einfluß auf die bevorstehende Debatte dahingehend geltend zu machen, daß die Bundesanstalt als solche erhalten bleibt und somit an einer für den Konsumenten eingerichteten, von Produzenten und landwirtschaftlichen Betrieben unabhängigen Kontrollinstanz in der jetzigen Form festgehalten wird.

Die Bundesanstalt hat in den vergangenen Jahren bewiesen, daß sie sich nicht nur bei der routinemäßigen Kontrolle von Lebensmitteln, Kosmetika und Gebrauchsgegenständen bewährt, sondern auch imstande ist, große Probenmengen im Rahmen von Katastrophen (Tschernobyl) und Skandalen (Weinskandal, Dioxin, gentechnisch veränderte Lebensmittel) zu untersuchen und zu begutachten, wobei stets der Schutz der Verbraucher das Vorgehen bestimmt.

Die Bediensteten der Bundesanstalt bitten Sie, erforderliche Maßnahmen vorzusehen, die den Bestand einer eigenständigen und unabhängigen Untersuchungsanstalt auch im Rahmen einer Agentur für Ernährungssicherheit für die Zukunft sicherstellen.

Die Bediensteten
der Bundesanstalt für Lebensmitteluntersuchung und -forschung, Wien

Rückfragen & Kontakt:

HR Dr. Helmuth Cikerle
HR Dipl.Ing. Dietfried Schlotter
c/o Bundesanstalt für
Lebensmitteluntersuchung und -forschung,
Kinderspitalgasse 15, 1090 Wien
Tel 404 90/ 0
Fax 404 90/ 9278
baluf@baluf.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS