ARBÖ: ARBÖ-Umweltpreis 2001 für Erfinder des "Fly-Over" - Brückenkonstruktion

Ohne "Fly-Over" hätte Wien ein Megaverkehrschaos erlebt

Wien (ARBÖ) - Der Umweltpreis des ARBÖ 2001 geht an den Erfinder des "Fly-Over" - jener genialen Brückenkonstruktion, die der Bundeshauptstadt Wien einen apokalyptischen Verkehrzusammenbruch und damit eine Umweltkatastrophe von unabsehbaren Ausmaßen erspart hat. Obersenatsrat Dipl.-Ing. Walter Hufnagel, Chef der Brückenbauabteilung der Stadt Wien, als solcher verantwortlich für die notwendigen Reparaturarbeiten auf Wiens Südosttangente, wird den ARBÖ-Umweltpreis 2001 am 13. November 2001 in Wien von Bürgermeister Dr. Michael Häupl, ARBÖ-Präsident Dr. Herbert Schachter und ARBÖ-Ehrenpräsident Dr. Kurt Steyrer persönlich entgegen nehmen.

Auf der A23, Südosttangente - an dieser meistbefahrenen Straße Österreichs - wälzen sich täglich in jeder Fahrtrichtung rund 90.000 Fahrzeuge über die Stadtautobahn, insgesamt ist die tägliche Verkehrsbelastung von etwa 185.000 Fahrzeugen weit höher als auf der kritischen Brennerroute - hat der Zahn der Zeit seine gefährlichen Spuren hinterlassen, so der ARBÖ. Millionenfache Stöße und Schläge durch die ohne Ende anstürmende Flut von Schwerfahrzeugen haben nach 20-jähriger Nutzungsdauer die Dehnfugenkonstruktionen der Brückentragwerke zum Teil schwer beschädigt, Gelenke ausgeschlagen, Ermüdungsrisse im Material hervorgerufen.

Ohne "Fly-Over" Megachaos

Dipl.-Ing. Walter Hufnagel hätte es sich leicht machen können, als sich vor einigen Jahren die dringenden Wartungsarbeiten abzeichneten:
die Tangente jeweils in einer Fahrtrichtung abschnittsweise blockieren, den Verkehr in die umliegenden Straßen umleiten, und dann die Dehnfugen erneuern.

Das Problem dabei: Insgesamt standen 24 Dehnfugen im Bereich der Hochstraße St. Marx zum Tausch an, für jede einzelne hätte eine Fahrtrichtung der Tangente rund drei Wochen lang gesperrt werden müssen. Nach Ansicht des ARBÖ ein Horrorszenario, denn ein jahrelanges Verkehrschaos mit unsäglichen Belastungen von Abgasen, Lärm und Dreck für die Wiener Bevölkerung wäre die Folge gewesen, das wäre eine Katastrophe für Wien gewesen.

Brücke über der Brücke

Was sich der Brückenexperte in dieser Notlage einfallen ließ, gab es damals nirgendwo auf der Welt: Eine (Ersatz-)Brücke über der Brücke, über die der Verkehr nahezu ungehindert weiter rollt, unter der die Bauarbeiter die nötigen Reparaturen an den Dehnfugen vornehmen können. Der "Fly-Over" war zumindest gedanklich geboren. Doch bis zum ersten Einsatz des "Überfliegers" sollte noch einige Zeit vergehen, die mit der Konstruktion beauftrage Wagner-Biro Brückenbau AG hatte zwar eine genial einfache Idee umzusetzen, was aber großes Geschick erforderte.
Dipl.-Ing. Hufnagel: "Ich habe mir damals gedacht: Wenn es uns gelingt, den Fly over in einer Nacht aufzubauen und in dieser Zeit immer eine Fahrspur frei zu halten, haben wir gewonnen. Die Konstruktionsdauer hat eineinhalb Jahre hat betragen, da ist viel Entwicklungsarbeit geleistet worden. Wagner Biro hat Großartiges geleistet: die Montage in einer Nacht ist möglich, die Rampe besteht aus einfachsten Verbindungen, sie ist flexibel einsetzbar."

Bauchweh-Aktion

Für den Erfinder bestand auch eingewisses Risiko. Es war eine Bauchweh-Aktion, denn man wusste nicht, wie der "Fly-Over" von den Kraftfahrern angenommen wird. Gibt es Unfälle? Lässt er sich in einer Nacht aufstellen? Klappt es? Es war alles ungewiss. Bei einer Investition von rund zwölf Millionen Schilling hätte eine Blamage schwere Folgen gehabt.

Weltpremiere 1999

Und es klappte wirklich. 1999 wurde der "Fly-Over" als Weltpremiere einer staunenden Öffentlichkeit präsentiert. Dank eines ausgeklügelten Baukastensystems und einfacher Steck- und Schraubverbindungen lässt sich der "Fly-Over" tatsächlich in einer Nacht aufbauen, wobei zumindest jeweils eine Fahrspur für den fließenden Verkehr zur Verfügung steht.

Die dahinter stehende Logistik ist ein Musterbeispiel für reibungslosen und optimalen Ablauf komplexer Transport- und Aufbauarbeiten: 54 Einzelelemente mit einem Gesamtgewicht von etwa 227 Tonnen werden punktgenau und zeitgerecht angeliefert, und mit Mobilkränen an ihren Platz gehievt. Bei einer Breite von rund zehn Meter ist die gesamte Konstruktion 106 Meter lang, zwölf Fuhren vollbeladener 38-Tonner sind notwendig.

Die Höhe des "Fly-Over" über den zu reparierenden Dehnfugen beträgt 1,9 Meter - genug, um ein aufrechtes Arbeiten zu ermöglichen. Auf dem "Fly-Over" fließt der Verkehr währenddessen weiter, aus Sicherheitsgründen besteht ein Tempolimit von 60 km/h.

Seit 1999 hat sich nach Meinung des ARBÖ die Wiener Erfindung und nunmehrige ARBÖ-Umweltpreisträger 2001 hervorragend bewährt. Zehn der insgesamt 24 Dehnfugen sind ohne gröberen Verkehrsstau ausgetauscht. Die Benutzer der Tangente werden also noch lange über die "Hochschaubahn" rumpeln, an die sie sich längst gewöhnt haben. Und kaum einer denkt darüber nach, was es für Wien bedeutet hätte, wenn Dipl.-Ing. Walter Hufnagel seinen "Geistesblitz" nicht gehabt hätte, betont abschließend der ARBÖ.

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