WWF präsentiert Nationalpark-Bilanz Hauptprobleme: Jagd, zersplitterte Verwaltungen, nicht stark genug gegen Einflüsse von außen

Wien (OTS) - Ihren Daseinszweck erfüllen sie nur mangelhaft: Der Vorrang der Natur vor wirtschaftlichen Interessen ist in keinem der fünf bestehenden österreichischen Nationalparks sichergestellt.

So das Fazit einer Evaluierung, die der WWF anlässlich des Nationalfeiertags * und des Geburtstags von drei Nationalparks * heute präsentiert. Die Tops und Flops konzentrieren sich im Nationalpark Hohe Tauern: Der Kärntner Teil ist österreichweit der mit dem besten Management, die Tiroler und Salzburger Anteile hingegen werden so stark bejagt, dass sie nicht international anerkannt werden konnten. "Nationalparks sollten letzte Refugien für die Natur sein, in denen natürliche Prozesse unbeeinflusst vom Menschen ablaufen können", erklärt Stefan Moidl vom WWF. "Diese Aufgabe erfüllen die österreichischen Nationalparks derzeit nicht. Nötig sind erstens ein bundesweites Konzept und zweitens mehr Geld:
Das derzeitige jährliche Bundesbudget von 120 Millionen Schilling (entspricht gerade einmal den Kosten für den Bau von einem Kilometer Autobahn."

Schüsse im Paradies

Hauptproblem in den meisten Nationalparks ist die Jagd, von der Tiere in Nationalparks eigentlich verschont bleiben sollten. Gänse und Enten aus dem Nationalpark Neusiedlersee werden direkt an der Grenze abgeschossen. Heuer wurden sie sogar mit Lockvögeln aus dem Schutzgebiet vor die Mündungen der Gewehre gelockt. In Salzburg und Tirol werden Gämsen, Murmeltiere und Auerhähne, die im Nationalpark Hohe Tauern ein letztes Refugium finden sollten, geschossen. Auch im Nationalpark Donauauen ist die unterschiedliche Handhabung der Jagd in Wien und Niederösterreich ein Problem.

Nachrang für die Natur in den Donauauen

Vom ohnehin knapp bemessenen Budget der Nationalparks profitiert die Natur meist wenig. Im Nationalpark Donauauen fließen 90% in den Ausbau von Besuchereinrichtungen. Weitere Kritikpunkte am NP Donauauen am fünften Jahrestag der Gründung: Die geplante Erweiterung ist nicht erfolgt, und die überzogenen Ausbaupläne für die Schiffahrt an der Donau gefährden das Naturerbe der Donauauen. Lösungen umzusetzen ist schwierig: Die Verwaltung ist aufgeteilt auf Stadt Wien, Bundesforste und Nationalparkverwaltung. Moidl: "Die Vision eines großen Nationalparks mit mehr Freiraum für die Natur droht in kleinkariertem Hick-Hack unterzugehen. Nach fünf Jahren muss nun endlich die Fläche erweitert werden, und die Altarme der Au wieder an die Donau angebunden werden." Vorbild kann der Nationalpark Neusiedlersee sein, der gestern um 630 Hektar erweitert wurde.

Lösungsansatz

Bundeskompetenz Für viele Probleme in den Nationalparks wäre eine bundesweit einheitliche Regelung ein erster Schritt zur Lösung. Der WWF schlägt daher vor, dem Bund die oberste Kompetenz zu übertragen. Die Vorteile: - Repräsentativer Schutz der biologischen Vielfalt Österreichs in Nationalparken - Gleichbehandlung aller Nationalparks in Österreich (gleiche Standards für Verwaltungsstrukturen, Managementpläne und Umgang mit Nutzungen wie Jagd, Fischerei, Landwirtschaft, Tourismus, etc. ) - Gleichwertige Ausstattung von Personal und Finanzen.

Die Zusammenfassung der Bilanz mit Details zu den bestehenden und geplanten Nationalparks ist abzurufen unter www.wwf/at Fotos:
www.wwf.at/download.htm

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Corinna Milborn,
Tel. 01/48817-231 oder 0676/6115850

WWF Naturschutz-Experte,
Mag. Stefan Moidl, Tel. 0676/83488 203

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