Häupl überreicht Leon Zelman Ehrenring der Stadt Wien

Wien (OTS) - Im Festsaal des Wiener Rathauses zeichnete am Donnerstag Bürgermeister Dr. Michael Häupl Prof. Dr. Leon Zelman mit einer der höchsten Ehrungen, die Wien zu vergeben hat, aus. Der goldene Ehrenring der Stadt Wien, der heuer erst ein Mal, im vergangenen Jahr gar nicht vergeben wurde, wurde 1925 vom damaligen Bürgermeister Karl Seitz als besondere Ehrung ins Leben gerufen. Zelman, der als Leiter des Jewish Welcome Service zu einer Symbolfigur des Dialoges und Gespräches zwischen Wien und den durch die Nationalsozialisten vertriebenen jüdischen Bürgern wurde, erhält diesen Ring für sein langjähriges und engagiertes Auf- und Eintrete in dieser Sache. In seiner Laudatio hob Häupl vor allem Leon Zelmans Bereitschaft zur Versöhnung hervor, obwohl dieser durch die Schrecken des Nazi-Regimes nicht nur seine Eltern und den jüngeren Bruder verlor, sondern auch persönlich in diversen Konzentrationslagern inhaftiert war.

Leo Zelman, Jahrgang 1928, wurde in Szczekociny (Polen) geboren. Sein Vater wurde 1939 beim Einmarsch der deutschen Truppen erschossen, seine Mutter starb 1942 im Ghetto von Lodz. Sein Bruder Shalek ist vermutlich in Auschwitz umgekommen. 1944 wurde Leon Zelman nach Auschwitz deportiert, wo er sich um zwei Jahre älter machte, um als arbeitsfähig zu gelten. Die Befreiung erlebte Zelman im KZ Mauthauen-Ebenesee am 6. Mai 1945 durch das Auftreten amerikanischer Soldaten. Häupl erinnerte daran, dass angesichts der persönlichen Schrecknisse es keineswegs selbstverständlich war, dass Leon Zelman Österreich als Heimat annahm. Insbesondere gelte dies für Wien, wo von den 170.000 jüdischen Bürgern 65.000 in den KZ umgekommen seien und das berüchtigte November-Pogrom am schlimmsten wütete.

Das von Leon Zelman später gegründete Jewish Welcome Center ermöglichte es, dass bis heute Tausende vertriebene Exil-Österreicher das Land unter einem neuen Gesichtspunkt kennen lernen konnten. Weiters gehört Leon Zelman zu den Mitbegründern des intellektuellen Journals "Jüdisches Echo", welches seit 1951 existiert und in kluger publizistischer Begleitung nicht nur die europäische Idee vorangetrieben hat, sondern immer auch in engagierter wie reflexiver Art und Weise die aktuellen Zeitgeschehnisse kommentierte.

Auf aktuelle Diskussionen eingehend merkte Häupl an, dass Zelmans Idee im leer gewordenen Palais Epstein ein "Haus der Geschichte" einzurichten weiterhin auf beherzte Unterstützung seitens der Stadt stoße. "Ich werde mich weiterhin nicht damit abfinden, dass dieses symbolträchtige und geschichtsmächtige Haus in Zukunft die Kopiergeräte und Schreibstuben des österreichischen Bundesrates beherbergen wird, statt eines österreichischen Nationalmuseums, eines Haus der Geschichte."

Zelman wies in einer berührenden Dankesrede auf die unermesslich vielen Opfer im Kampfe gegen das Nazi-Regime hin. Insbesondere hob er den Einsatz der US-Soldaten hervor, die "für ein neues Europa ihr Leben hingaben." Nach 1945 hätte er in Wien viele hilfreiche Hände vorgefunden, die in ihm langsam die Überzeugung groß werden ließ, dass diese Stadt ihm zur Heimat werden könne. In Richtung der heutigen Jugend, zu der er konsequent den Kontakt sucht, meinte er, dass auch diese niemals die Schrecken des Nationalsozialismus vergessen dürfe.

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