"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Die Kränze sind noch "bio"

Ausgabe vom 26.10.2001

Wie andere Minister in der Bundesregierung auch, so ist auch Wilhelm Molterer eine gespaltene Persönlichkeit. Als Landwirtschaftsminister hält er genmanipuliertes Saatgut auch im Bio-Landbau für zulässig. Als Umweltminister empfiehlt er dem Konsumenten jedoch peinlichst darauf zu achten, dass wenigstens die Kränze und Gestecke für den Allerheiligen-Grabschmuck das "Umweltzeichen" tragen. Nur diese seien vollbiologisch und biogenetisch einwandfrei verrottbar.

Da soll offenbar jemand für blöd verkauft werden. Da macht der Umweltminister für Biokränze Reklame, die er gleichzeitig aufs Grab des Feinkostladens Österreich zu legen gedenkt. Seine Grenzwertverordnung ist tatsächlich nichts als ein Begräbnis dritter Klasse der Biolandwirtschaft.

Kärnten war im letzten Sommer Schauplatz des Gen-Mais-Desasters. Die Wirtschaft lancierte genetisch "verunreinigtes" Saatgut. Der Steuerzahler durfte 22 Millionen Schilling für eine fragwürdige Einackerung zahlen. Die Saatgutfirma kam völlig ungeschoren davon. Ja vielmehr, sie wird belohnt. Die Verordnung legitimiert künftige "Verunreinigungen" bis zu einem bestimmten Grenzwert. Wird dieser überschritten, passiert laut Verordnung auch nichts, gar nichts.

Dass selbst für den biologischen Landbau explizit ein Grenzwert für genmanipuliertes Saatgut ohne Sanktionen bei Grenzwertüberschreitungen eingeführt werden soll, ist schlicht das Ende von "bio". Die Bauern können nichts dafür, aber der Bauernminister.

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