"Kleine Zeitung" Kommentar: "Zwei Seiten" (von Ulrich Stocker)

Ausgabe vom 26.10.2001

Graz (OTS) - Die Pilatus-Frage nach der Wahrheit beschäftigt uns seit biblischen Zeiten. In der aktuellen politischen Auseinandersetzung gibt man's eine Spur billiger: Man sucht nach "Gerechtigkeit". Der rituelle Höhepunkt des Konflikts ist der alljährliche Streit um die Pensionanpassung.

Was ist angemessen? Einem Rentner mit rund 11.000 Schilling im Monat die Abgeltung der Geldentwertung zu verweigern? Oder kann man den vom Fiskus ausgepressten Aktiven ein zusätzliches Alzerl aufbrummen? Die Gefäße kommunizieren ja in unserem Umlagesystem: Was als Pensionen ausgezahlt wird, ist Jahr für Jahr durch Beiträge und Steuern hereinzubringen. Der Aufwand für die Renten steigt durch "Struktureffekte" ohne hin. Dass er durch einen Beitrag der Pensionisten selbst zu mildern ist, ist nicht abwegig. Die langfristige Selbstfinanzierung durch laufende Beiträge war die Grundidee des Modells der Altersversorgung, nicht ein Beihilfensystem.

Dass den Seniorenräten diese Argumentation nicht gefällt, ist verständlich. Dass ihre Wortführer wie Karl Blecha zum "Widerstand", aufrufen, ist pure Demagogie. Anwendbare Gerechtigkeit hat immer zwei Seiten: Der ein nimmt, der andere muss geben. ****

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