EU-Erweiterung: Auswirkungen müssen auch für "Verlierer" erträglich bleiben

WIFO-Experte bei ÖGB-EU-Erweiterungskonferenz

Laa an der Thaya (ÖGB). "Die EU-Osterweiterung hat politische Motive und ist ein Friedensprojekt. Sie sollte daher so erfolgen, dass die Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt auch für die 'Verlierer' erträglich bleiben. Dafür müssen sich die Gewerkschaften einsetzen", stellte heute, Donnerstag, der WIFO-Experte Dr. Ewald Walterskirchen, bei der EU-Erweiterungskonferenz in Laa an der Thaya fest.++++

Langfristig werde sich, so der WIFO-Experte, die Erweiterung "per Saldo" leicht positiv auf die österreichische Wirtschaft auswirken. Allerdings werde es Gewinner und Verlierer geben. Viele Menschen in Österreich fürchten zu den Verlierern zu gehören. Die Gründe dafür sind die Angst um den Arbeitsplatz, die Zunahme der Verkehrs- und Transitprobleme sowie die Angst vor Kriminalität bei offenen Grenzen.

Im Bereich des Arbeitsmarktes seien das zentrale Problem die Tages- und Wochenpendler. Walterkirchen: "Sie können in Österreich viel mehr verdienen als in ihrer Heimat und gleichzeitig zu Hause billig leben. Vor allem in den Ballungsräumen wird der heimische Arbeitsmarkt im Zuge der Freizügigkeit unter Druck kommen. In den ersten fünf Jahren nach Gewährung der Freizügigkeit könnten bei normaler Konjunktur 100.00 bis 150.000 Menschen aus den Beitrittsländern in Österreich Arbeit suchen, mehr als die Hälfte davon als Tages- und Wochenpendler."

Den Vorschlag der EU-Kommission, Übergangsfristen von bis zu sieben Jahren vorzusehen, bezeichnete er als "einseitige Lösung". Sie trage nur dem Fall Rechnung, dass "die Freizügigkeit vielleicht kein besonderes Problem darstellen könnte".

Dem Argument, dass Österreich in zehn Jahren dringend Fachkräfte vor allem auch aus den östlichen Nachbarstaaten brauchen, hielt Walterskirchen folgende "Anmerkungen" entgegen:
O Bei der Freizügigkeit werden nicht nur Fachkräfte, sondern auch Hilfskräfte kommen. Bei den "Nur-Pflichtschulabsolventen" gibt es aber bereits jetzt eine Arbeitslosenquote von elf Prozent.
O Die Erfahrungen mit der Liberalisierung des Ausländerzustromes haben gezeigt: Sie wirkt sich für die Wirtschaft und die Beschäftigtenzahlen positiv aus. Aber die Unternehmer holen mehr Ausländer herein als zusätzlich gebraucht werden. Es kommt zu einem Verdrängungswettbewerb, weniger produktive In- und Ausländer werden arbeitslos.

Walterskirchen: "Das entscheidende Kriterium der Freizügigkeit der Arbeitnehmer ist für mich nicht, wie hoch der Zustrom ist, sondern dass die Arbeitslosigkeit infolge des Zustroms nicht steigen soll."(ff)

ÖGB, 25. Oktober 2001
Nr. 897

Rückfragen & Kontakt:

Franz Fischill
Telefon: (01) 534 44/510 oder 0699/1942 08 74
Fax: (01) 533 52 93

ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB/NGB