Österreich 1 gratuliert Ilse Aichinger zum 80. Geburtstag

Wien (OTS) - Am 1. November dieses Jahres feiert die österreichische Schriftstellerin Ilse Aichinger ihren 80. Geburtstag. Ihr Werk, vielfach ausgezeichnet, zählt zum Bedeutendsten der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur.
Österreich 1 widmet der großen Literatin einen Programmschwerpunkt.****

Den Auftakt des Programmschwerpunktes macht am Nationalfeiertag (26. 10.) um 8.15 Uhr die Sendung "Die Orte, die wir sahen, sehen uns an", in der Aichinger einige ihrer Prosagedichte liest. Der Titel der "Hörbilder" am Samstag, den 27. Oktober um 9.05 Uhr lautet "Ein Gesicht - zwei Leben. Ilse Aichingers
Zwillingsschwester Helga Michie über ihr Leben im Schatten der Literatur". In den "Tonspuren" am Sonntag, den 28. 10. um 18.15
Uhr steht mit "Ich werd mich noch beim Sterben langweilen oder die paradoxe Lebenslust der Ilse Aichinger" ein Porträt der Autorin
auf dem Programm. Am Mittwoch, den 31. 10. in den
"Radiogeschichten" um 11.40 Uhr liest Michou Friesz Aichingers Erzählung "Das Plakat" und in der "Literatur-Miniatur" um 16.55
Uhr wird ein Auszug ihres soeben erschienenen autobiografischen Romans "Film und Verhängnis. Blitzlichter auf ein Leben" vorgestellt. Den Abschluss des Programmschwerpunktes bildet am Donnerstag, den 1. November um 15.05 Uhr Aichingers Hörspiel "Nachmittag in Ostende" (u. a. mit Klausjürgen Wussow und Louise Martini).

"Ich empfinde den Verlust der Kindheit schwerer als den Beginn des Alters. Dass man die Kindheit verliert, empfinde ich als ziemlich gemein. Aber vielleicht ist das notwendig, damit man sie wiederfindet. Ich habe gar keine besonders aufregende Kindheit gehabt. Aber man gehört zu einem anderen Orden", so Aichinger.
1921 wird sie in Wien geboren. Hier und in Linz verbringt sie ihre Kinder- und Jugendjahre. Der Vater ist Arier, wie es später heißen wird, die Mutter Jüdin. Ilse Aichinger gilt als "Halbjüdin". Am Wiener Schwedenplatz muss sie mit ansehen, wie ihre geliebte jüdische Großmutter in einem Lastwagen abtransportiert wird. "Dieses Verschwinden der anderen, das lässt mir keine Ruhe. Auch dieses Schuldgefühl - dass man‘s überlebt hat und die anderen nicht. Dass man diese ganz letzten tödlichen Schrecken nicht mit ihnen geteilt hat."

Ihr Roman "Die größere Hoffnung", erstmals erschienen 1948, gilt als einer der ersten und wichtigsten Romane der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. 1951 fährt sie zu einer Tagung der "Gruppe 47", einem Treffen deutschsprachiger Autoren.
Sie lernt ihren späteren Mann kennen, den Schriftsteller Günter Eich, der 1972 stirbt. "Was er geschrieben hat, ist für mich furchtbar wichtig für mein Leben geworden. ‚Wir halten auf Unordnung. Wir lehren unsere Kinder, die Töchter und Söhne, die Igelwörter.‘ Solche Zeilen waren für mich ganz wichtig." 1991 erscheint im renommierten S. Fischer-Verlag eine Werkausgabe von Ilse Aichinger in acht Bänden. Als ihr Sohn, der Schriftsteller Clemens Eich, 1998 in Wien tödlich verunglückt, zieht sich Ilse Aichinger - noch mehr als zuvor - zurück. Mit Aichinger feiert am 1. November eine der großen wichtigen Stimmen der österreichischen Literatur Geburtstag. (ih)

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