90 Jahre Mietervereinigung Österreichs - Aktionswoche mit kostenloser Rechtsberatung für jedermann vom 22. bis 25. Oktober 2001

MVÖ-Präsidentin Doris Bures: "Mieterschutz und eine starke Mietervereinigung sind untrennbar miteinander verbunden"

Wien (OTS) - Die Mietervereinigung Österreichs feiert dieser Tage ihr 90-jähriges Bestehen. Aus Anlass dieses Jubiläums wird vom 22. bis 25. Oktober 2001 eine Aktionswoche unter dem Motto "Wir feiern 90 Jahre Mietervereinigung - feiern Sie mit!" abgehalten. Österreichweit wird dazu in allen Servicestellen kostenlose Rechtsberatung für jedermann/frau angeboten.

Dieser runde Geburtstag bietet aber auch Gelegenheit, um Bilanz zu ziehen. Die Geschichte der größten österreichischen Mieterschutzorganisation weist sehr viele Höhen, aber auch so manchen Tiefschlag auf. Die Erfolge sind jedoch unübersehbar. Doris Bures, Präsidentin der Mietervereinigung Österreichs: "Durch unser Engagement in den letzten neun Jahrzehnten konnte wir maßgebliche Verbesserungen im Mietrecht und der allgemeinen Wohnsituation erreichen." Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde nach zahlreichen Massenprotesten und auf Initiative der Mietervereinigung erstmals der Schutz von Mietern gesetzlich verankert werden. In weiterer Folge konnte die rechtliche Stellung von Mietern und Wohnungseigentümern kontinuierlich ausgeweitet werden. "Wir haben durch unser Auftreten gegenüber dem Gesetzgeber einen in Europa einzigartigen Mieterschutz geschaffen", so Bures.

Die Mietervereinigung Österreichs, die 1911 unter dem Namen "Allgemeiner Mieterverein" gegründet wurde, ist ein gemeinnütziger Verein. Als eigenständige und vollkommen unabhängige Organisation finanziert sie sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge. Mit einem Serviceeinrichtungen im gesamten Bundesgebiet und einem eingespielten Team von 58 Angestellten, 280 ehrenamtlichen Funktionären und über 3.000 Hausvertrauenspersonen wird flächendeckender Mieterschutz angeboten.

Mehr als 100.000 Mitglieder wissen die Mietervereinigung Österreichs als ihre Interessensvertretung zu schätzen. Durch kompetente Beratung, kostenlosen Rechtsbeistand und die juristische Vertretung in Mietrechtsangelegenheiten wird den Mitgliedern ein umfangreiches Service geboten. Alleine in den vergangenen zwei Jahren wurden von den Mietrechtsexperten mehr als 160.000 Rechtsauskünfte erteilt, 15.000 Anträge bei Schlichtungsstellen und Gerichten eingebracht und an rund 18.000 Verhandlungen wurde teilgenommen. In einer Vielzahl von Fällen, konnte den Mietern zu ihrem Recht verholfen werden. Die Präsidentin der Mietervereinigung Österreichs verweist dabei auf den Tätigkeitsbericht für die Jahre 1997 bis 1999: "Allein in diesen drei Jahren wurden durch die Verfahrensabwicklung der Mietervereinigung 137,884.279,- Schilling in Mietrechtsstreitigkeiten zurückerstritten. Diesen Betrag konnten wir eins zu eins an die betroffenen Mitglieder ausbezahlen." Eine ähnliche Bilanz ist bei Haussanierungen vorzuweisen. "Insgesamt wurden den Mietern durch unsere Überprüfungen 184,800.000,- Schilling an Ausgaben erspart", erklärt Bures.

Heutige Situation und Ausblick für die Zukunft

Der Blick in die Gegenwart und die derzeitige politische Situation zeigen jedoch deutlich, dass auch in Zukunft eine starke Mietervereinigung notwendig sein wird. "Bereits beschlossene Gesetzesänderungen der schwarz-blauen Bundesregierung und die aktuellen Bestrebungen, den Mieterschutz auszuhöhlen, zeigen ganz klar, wie wichtig auch in Hinkunft unser verstärkter Einsatz sein wird", ist Doris Bures überzeugt. "Die 90-jährige Geschichte unserer Organisation bestätigt, dass Mieterschutz und eine starke Mietervereinigung untrennbar miteinander verbunden sind. Wir werden auch in Zukunft in allen Belangen des Mietrechts der starke Partner für Wohnungseigentümer und Mieter sein!", so Bures abschließend.

Die Geschichte der Mietervereinigung Österreichs

Die Zeit um die Jahrhundertwende war von extremer Wohnungsnot gekennzeichnet. Mieter hatten so gut wie keine Rechte und Hausherren verfügten durch die gesetzliche Lage über eine uneingeschränkte Macht. Kündigungen konnten jederzeit und ohne Angabe von Gründen erfolgen und der Mietzins wurde völlig willkürlich festgesetzt.

Im Februar 1911 stellte Johann Schlatte an die "Hohe K.K. Stadthalterei in Wien" den Antrag, den "Allgemeinen Mieterverein" gründen zu dürfen. Diesem wurde am 25. Februar stattgegeben. Damit war die erste Interessenvertretung für Mieter geboren. Deren Tätigkeit konzentrierte sich in den folgenden Jahren in erster Linie darauf, eine möglichst breite Mitgliederbasis zu gewinnen und gegen die äußerst triste Wohnsituation anzukämpfen. Der erste Erfolg konnte 1917 erzielt werden. Die erste Mieterschutzverordnung wurde erlassen und unzählige Familien wurden somit vor der Obdachlosigkeit bewahrt.

Im Jahr 1921 erfolgte die Umbenennung in "Mietervereinigung Österreichs". Aus dem Verein wurde eine Vereinigung. Die Zahl der Mitglieder wuchs in nur vier Jahren von 28.000 im Jahr 1921 auf über 219.000 im Jahr 1925. Die Anzahl der Lokalorganisationen stieg in der selben Zeit von 21 auf 168.

Anfang der zwanziger Jahre wurden zahlreiche Massenproteste abgehalten. Diese fruchteten schließlich 1922 in der Beschlussfassung eines Mietengesetzes. Damit wurde erstmalig ein Kündigungsschutz eingeführt und Mietervertreter erhielten das Recht der Einsichtnahme in die Abrechnungen der Hausherren.

Im selben Jahr erschien auch zum ersten Mal "Der Mieter", das offizielle Organ der Mietervereinigung. Bereits 1926 war man in sieben Landes- und 184 Lokalorganisationen mit rund 250.000 Mitgliedern organisiert. Im April dieses Jahres wurde der internationale Mieterbund gegründet. Österreich stellte einen der drei Präsidenten.

Der Zuspruch hielt weiter an und die Mitgliederzahlen stiegen kontinuierlich. Die Vereinigung gewann immer mehr an Gewicht. Bis zum 14. Februar 1934. In einem Aktenvermerk der Bundespolizeidirektion Wien heißt es: "Im Auftrag des Bundeskanzleramtes ist die Tätigkeit der sozialdemokratischen Mietervereinigung sofort einzustellen und das Vermögen des Vereines zu beschlagnahmen." Die finanziellen Mittel wurden dem vaterländischen Mieterbund übertragen.

Am 11. September 1945 wurde die Wiederaufnahme der Vereinstätigkeiten genehmigt. Rasch gelang es, die Mitglieder zu sammeln und dort anzuknüpfen, wo man zwangsweise aufhören musste. 1948 wurde der Ausschuss der Wiener Gemeindemieter gegründet und in die Mietervereinigung integriert. Gemeindemieter in Wien waren bis 1988 automatisch Mitglieder.

Bis heute ist die ständige Verbesserung der Wohnungssituation eines der Hauptanliegen der Mietervereinigung. Seit 1911 blieb ist das Hauptziel, eine allgemeine Verbesserung der Wohnverhältnisse herbeizuführen und die berechtigten Interessen der Mieter, Wohnungseigentümer und unserer Mitglieder im Besonderen zu wahren und zu fördern, in den Vereinsstatuten nahezu unverändert geblieben.

Der europaweit einzigartige Mieterschutz in Österreich basiert seit dem Mietengesetz auf den zwei Säulen Kündigungsschutz und Preisschutz. Die letzte Mietrechtsnovelle im Jahr 2000 brachte jedoch eine enorme Ausweitung der Befristungsmöglichkeiten und höhlte damit den Kündigungsschutz stark aus, denn durch die Wohnunsicherheit werden auch alle anderen Mieterschutzbestimmungen und Kontrollrechte enorm gefährdet.

Rückfragen & Kontakt:

Mietervereinigung Österreichs,
Bundessekretärin Gaby Fiala
Tel. 01 - 401 85-11

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