Laska, Brauner und Pittermann zu "Gewalt gegen Frauen und Kinder"

Rasches Erkennen von Gewaltopfern wichtig

Wien, (OTS) "Gewalt-Opfer kommen oft mit gewöhnlich scheinenden Verletzungen wie einem blauen Auge oder verstauchten Gliedmaßen ins Spital. Die meisten verschweigen den wahren Grund für ihre Verletzungen. Daher ist es besonders wichtig, dass ÄrztInnen und Pflegepersonal rasch erkennen, wenn Körperverletzungen durch die Einwirkung Dritter vorliegen", betonten Vizebürgermeisterin Grete Laska, Frauenstadträtin Mag. Renate Brauner und Gesundheitsstadträtin Prim. Dr. Elisabeth Pittermann-Höcker anlässlich der Startveranstaltung des Fortbildungsprogrammes "Gewalt gegen Frauen und Kinder" für Spitalspersonal. Die Früherkennung erleichtere die psychische Soforthilfe und den direkten Zugang zu Behandlungsmaßnahmen.****

Gewalt beeinträchtigt die Seele und den Körper ein Leben lang

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass körperliche, sexuelle und seelische Gewalt katastrophale kurz-, mittel- und langfristige gesundheitliche Folgewirkungen mit sich bringt. Neben den unmittelbaren körperlichen Folgen wie Blutergüssen, Prellungen, Verbrennungen und Knochenbrüchen sowie Riss- und Schürfwunden bzw. Verletzungen der inneren Organe werden in der Literatur als seelische Folgen genannt:

o schwere Traumen
o Panikattacken
o soziale Isolation
o verinnerlichte Scham- und Schuldgefühle
o Schlafstörungen
o Alkoholismus
o Drogen- und Medikamentenabhängigkeit
o schwere sexuelle Störungen bis hin zu Vaginismus (Anm.

Scheidenkrampf) und
o Magersucht

Das Ludwig Boltzmann Institut für Frauengesundheitsforschung musste in einer Studie an 1.400 Frauen feststellen, dass sexueller Missbrauch lebenslange gynäkologische Folgeerkrankungen wie menstruelle Beschwerden, Unterbauchbeschwerden oder Probleme in der Schwangerschaft nach sich zieht.

Gewalt als gesellschaftliches Gesundheitsproblem

Gewalt in der Familie, sexueller Missbrauch und Gewalt an Jugendlichen wird zunehmend auch als gesellschaftliches Gesundheitsproblem erkannt. In seinen gesundheitsökonomischen Auswirkungen machte eine Studie der Weltbank deutlich, dass Gewalt gegen Frauen etwa in Holland jährlich 210 Millionen Euro, in der Schweiz 314 Millionen Euro und in Kanada 4,2 Milliarden Dollar an Folgekosten verursacht. Insgesamt nehmen Gewaltopfer langfristig mehr medizinische Versorgungsleistungen in Anspruch.

Im Jahr 2000 musste die MAG ELF, das Amt für Jugend und Familie, in mehr als 1.500 Fällen bei körperlicher und/oder sexueller Gewalt Hilfe leisten. "Nichts ist verabscheuungswürdiger als Gewalt gegen Schwächere. Ganz besonderes, wenn es sich dabei um Frauen und Kinder handelt. Daher dürfen wir nicht aufhören, für die Rechte der Kinder, gesund, wohlbehalten und fröhlich aufzuwachsen, Lobbyismus zu betreiben", so Vizebürgermeisterin Laska. "Kinder wollen geliebt und respektvoll behandelt werden, sich auf ihre Eltern verlassen können. Auch wenn Gewalt passiert, wollen sie ihre Eltern nicht verlieren, sie wollen aber, dass die Gewalt aufhört. Eine Sensibilisierung für dieses Anliegen ist ein weiterer positiver Schritt, Gewalt gegen Frauen und Kindern aus der gesellschaftlichen Tabuzone herauszuholen."

In Österreich wird jede fünfte in einer Beziehung lebende Frau von ihrem Ehemann oder Lebensgefährten misshandelt. Nach Auskunft der Wiener Polizei kommt es wegen Gewalt in der Familie zu etwa 25 Polizeieinsätzen pro Tag, an Spitzentagen sind es bis zu 100. "Diese Zahlen sind bestürzend und zeigen den Handlungsbedarf im Bereich Gewaltschutz", betont Frauenstadträtin Brauner. "Der 24-Stunden-Frauennotruf und die Wiener Frauenhäuser bewähren sich bereits seit vielen Jahren als zentrale Beratungs- und Schutzeinrichtungen für Frauen."

Modellprojekt im Kaiser Franz Josef Spital und Donauspital

Das Gesundheitssystem, allen voran die öffentlichen Spitäler, haben eine wichtige Schlüsselfunktion, ehest möglich das immer noch tabuisierte und in Folge von Schamgefühlen oft verschwiegene Problem der Gewaltanwendung zu erkennen. Um dem medizinischen Personal und den PflegerInnen im Anlassfall die Möglichkeit zu geben, rasch und unbürokratisch entsprechende Hilfestellungen in die Wege zu leiten, sind gezielte Schulungen über den Umgang mit Gewaltopfern, die rechtlichen Rahmenbedingungen und ein Überblick über bestehende Hilfsangebote notwendig.

Die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte Frau Prof. Beate Wimmer-Puchinger hat dieses Ziel im Rahmen des Wiener Frauengesundheitsprogrammes aufgegriffen und in einem Modellprojekt mit interdisziplinärer, abteilungsübergreifender Fortbildung im Kaiser Franz Josef-Spital und im Donauspital in Angriff genommen.

MitarbeiterInnenbefragung zeigt großen Informationsbedarf

Ausgangspunkt der Schulungen war eine vom Meinungsforschungsinstitut Fessel-GfK durchgeführte MitarbeiterInnenbefragung zum Thema körperliche, sexuelle und seelische Gewalt gegen Kinder und Frauen. 41 Prozent der Befragten hatten im letzten Jahr beruflichen Kontakt mit Kindern und Jugendlichen, die Opfer körperlicher Gewalt wurden. An jungen Opfern wurde körperliche Gewalt rund doppelt so stark wahrgenommen wie sexuelle Gewalt.

Kontakt mit weiblichen Gewaltopfern hatten deutlich mehr der Befragten, nämlich 56 Prozent. Signifikant erhöht sind die Werte in der Psychiatrie (88%), (Unfall)chirurgie (80%) und Dermatologie (69%).

Der subjektive Informationsgrad in Hinblick auf den Umgang mit der Betreuung von Opfern körperlicher bzw. sexueller Gewalt ist relativ gering: Nur ein Viertel der Befragten fühlt sich gut informiert. Knapp die Hälfte der Befragten fühlt sich eher schlecht und 15% sehr schlecht informiert. Deutlich erhöht ist der Informationsbedarf bei Mitgliedern des höheren Pflegepersonals sowie in den Abteilungen Chirurgie und interne Aufnahmestation. 80 Prozent der dort Befragten wünschten sich vermehrte Informationen zum Thema "Betreuung von Opfern körperlicher bzw. sexueller Gewalt." (Schluss) rog/hk/mw

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