OeNB: Dir.Dr.Peter Zöllner, Oesterr.Nationalbank, spricht bei der Kreston World Conference über die Bedeutung der Einführung des Euro aus der Sicht einer europäischen Zentralbank

Wien (OTS) Anlässlich der Kreston World Conference hielt
Herr Dr.Peter Zöllner, Mitglied des Direktoriums der Oesterreichischen Nationalbank, am 19. Oktober 2001 ein Grundsatzreferat über die Bedeutung der Einführung des Euro
aus der Sicht einer europäischen Zentralbank.

Das Eurosystem habe von Beginn an seinen Auftrag im Sinne
der Wahrung der Preisstabilität sehr gut erfüllt. Wechselkursbewegungen von Währungen großer Wirtschaftsgebiete seien historisch gesehen nichts Ungewöhnliches, die bisherigen Wechselkursveränderungen lagen innerhalb der Bandbreite
früherer Perioden.

Die Einführung des Euro habe eine hohe Integrationstendenz
auf den Geld- und Kapitalmärkten bewirkt. Bereits frühzeitig
seien die Volumina der begebenen Euro-Wertpapiere an die in US-Dollar denominierten herangekommen. Daraus könne man
ableiten, dass der Euro-Anleihe-Markt bereits über eine ausgezeichnete Tiefe und Liquidität verfüge. Dabei sei insbesondere das Segment der privaten Emittenten am Markt in
den Vordergrund gerückt. Mit der Eigenschaft als
Schuldnerwährung wird auch die Rolle des Euro als
Anlagewährung automatisch größer werden.

Auch im Hinblick auf die Entwicklungen bei den Finanzinstitutionen habe die Einführung des Euro als
Katalysator gewirkt. Fusionierungsbestrebungen und Restrukturierungsmaßnahmen seien durch den Euro beschleunigt worden.

Dir. Zöllner betonte, dass insbesondere die Ereignisse im Zusammenhang mit den Attentaten in den USA gezeigt hätten,
dass die internationale Zusammenarbeit zwischen den
Zentralbanken hervorragend funktioniere. Dies würde durch die infolge der Bildung der Eurozone geschaffenen Strukturen
innerhalb Europas wesentlich erleichtert.

Dir. Zöllner hob in seinem Referat die Funktion und
Wichtigkeit der Devisenreserven der an der Eurozone
teilnehmenden Zentralbanken hervor. Er wies darauf hin, dass allfällige Interventionen in einer Weltwährung wie dem Euro
nur mit dem Einsatz hoher Reservenbestände zweckmäßig seien.
Er unterstrich weiters, dass gerade in Krisen-zeiten - man
habe das im Gefolge der USA-Terrorattacken sehr gut beobachten können - hohe Zentralbank-Reserven unerlässlich seien, um einerseits Glaubwürdigkeit und Vertrauen zu vermitteln und andererseits Liquiditätskrisen und Domino-Effekte im Zahlungsverkehr zu vermeiden.

Dir. Zöllner führte schließlich aus, dass der heutige Aufgabenbereich der nationalen Zentralbanken zwar
grundsätzlich verändert, aber - im Vergleich zu früher -keinsewegs verringert sei.

Dies sei bedingt durch vielfältige Harmonisierungen z.B.
des geldpolitischen Instrumentariums oder die Schaffung neuer Datentransferstrukturen mit der EZB, oder auch die neue
Architektur des Zahlungsverkehrs. Verstärkte Tendenzen zur internationalen Zusammenarbeit seien insbesondere auch auf dem Gebiet der Banken- und Finanzmarktaufsicht zu verzeichnen, bei
denen die nationalen Zentralbanken in der Regel eine
maßgebliche Rolle spielen.

Die logistischen Vorbereitungen für die Euro-
Bargeldeinführung laufen auf Hochtouren. Der bisherige Vorverteilungsprozess sei reibungslos über die Bühne gegangen. Somit seien für den Zeitpunkt der Einführung selbst und die
darauf folgenden Wochen - nach menschlichem Ermessen - keine ernsthaften Probleme zu erwarten.

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